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Maintal ist eine Wohn-/Schlafstadt zwischen Frankfurt am Main und Hanau. Was hier passiert, wird von den Medien kaum wahrgenommen. Was nicht passiert, auch nicht! Maintal hat viel Natur, liegt am Fluss und ist verkehrsgünstig gelegen. Der Wohnraum ist jedoch knapp und die Mieten sind hoch. Die Kommunalpolitik hat hier noch provinziellen Charme. Die Vereine sorgen für das kulturelle Leben und das sportliche Angebot. Viele Bewohner haben ihren Lebensmittelpunkt allerdings dort, wo sie arbeiten und haben mit Maintal nicht viel am Hut. Senioren gestalten vorwiegend das, was Senioren interessiert. Menschen bewegen viele Dinge, die ich aufgreife und auf meinen verschiedenen Websites thematisiere. Die neue Seite "Blickwinkel" ist eine dieser Websites.


 

Gedanken zum Start dieser Website

Wenn es auf den Jahreswechsel zu geht, befassen sich viele Menschen mit dem Gedanken der Erneuerung, mit Veränderungen und fassen Entschlüsse, die denen des vergangenen Jahreswechsels irgendwie ähneln. Mit den alten Vorsätzen passierte das, was den neuen Vorsätzen noch bevor steht - wahrscheinlich wird wieder nichts draus. Die Bürgermeisterin, der Stadtverordnetenvorsteher und die Vorsitzenden der Parteien schnitzen wieder an ihren nachdenklichen Jahreswechsel-Statements, die der Maintal TAGESANZEIGER abdrucken darf. In den Vereinen werden die Weihnachtsfeiern vorbereitet und auch hier haben die Vorsitzenden wieder eine Rede zu halten. Doch zunächst steht der 11.11. vor der Tür und die Maintaler Narren übernehmen die Macht im Rathaus. Und ich beginne wieder eine neue Website, weil die alten voll sind.

 


Solche Rituale sind sinnbildlich für unsere Wohn- und Schlafstadt. Alles geht seinen gewohnten Gang. Ein neues Jahr, ein neuer Anfang und die Hoffnung auf ein harmonisches Leben ohne Neid und Missgunst, Ärger und Verdruss bereitet auch bei mir den Weg. Ein Segen für Patienten mit Bluthochdruck. Doch so einfach wird das nicht, das ahnen sicher alle Veränderungswilligen bereits in der Silvesternacht. Es genügt, wenn nur wenige Menschen in ihrer Lethargie und Andere in ihrem Starrsinn verharren und alles bleibt wieder, wie es war.

Nur wenn wir weiterhin das Leben aus jedem Blickwinkel beobachten und bereit sind, Veränderungen ins Auge zu fassen, werden wir eine bessere Zeit erleben und unser Leben lebenswerter machen.

Gutes Gelingen!

22.06.2018 K(r)ampf mit dem generischen Maskulinum
Nichtsprachwissenschaftler*innen haben es derzeit schwer, sich an neue Schreibweisen zu gewöhnen, für die sich eher maskuline Frauen und feminine Männer, also typische Genderist*innen einsetzen. Sie haben dem generischen Maskulinum den Kampf angesagt. Nun hat sogar der DUDEN-Verlag ein Buch mit dem Titel "Richtig gendern" herausgegeben, um Tipps zu geben, wie man Texte verkürzt, ohne besser verstanden zu werden. Übrigens: 45% der Wörter im Duden sind bereits feminin, 35% maskulin und 20% neutrum. Das ist Feministinnen jedoch noch zu wenig. Darum haben sie dem generischen Maskulinum den Kampf angesagt. Anstatt jedoch konsequent zu sein und beide Geschlechtsvarianten in Langschrift zu verwenden, benutzen sie Sternchen, Bindestriche und Schrägstriche mit /Innen und *dinnen und andere Schreibweisen. Der Grund ist klar: Sie sind zu faul für die lange Schreibversion und wollen Zeit und Platz sparen. Die Folge ist die Verunstaltung der Sprache. >>>mehr
 
28.04.2018 Böcke als Gärtner
Unsere ganz persönliche Welt lässt sich auf das Umfeld, in dem wir wohnen, reduzieren. Dort wollen wir zufrieden sein und harmonisch leben. Einige Menschen haben zusätzlich Freizeitdomizile, in die sie zeitweise ihr Leben verlagern können. Doch so einfach ist das mit der Zufriedenheit oft nicht. Das Zusammenleben mit anderen Menschen in harmonischer direkter Nachbarschaft erfordert allseits soziale Kompetenz und passende Verhaltensweisen. Wer diese nicht besitzt oder dazu nicht fähig ist, sollte seine Defizite nur in Einzelwohnobjekten und mit sich selbst ausleben. In größeren Wohnanlagen werden solche Menschen mit der Zeit zum Problem. Im Grund genommen ist das harmonische Zusammenleben in größeren Wohnanlagen jedoch recht einfach möglich, wenn man logischen Sachverstand und ethische Reife besitzt. Man muss sich nur sozial integrieren, also gegenseitige Rücksichtnahme pflegen. Umso höher in einer Wohnanlage die soziale Kultur ist, desto weniger Details müssen hinsichtlich des Zusammenlebens geregelt werden. Permanentes Fehlverhalten führt jedoch zu zusätzlichen Regelungen, Restriktionen und Zwängen, weil die Einsicht Einzelner fehlt. >>>mehr
  
02.04.2018 Wohin Privatisierung führt
Allewelt ist stolz auf den Forstschritt und glaubt daran, dass die Privatisierung öffentlicher und staatlicher Bereiche ein Segen ist, weil in der Privatwirtschaft angeblich klügere Köpfe sitzen und Wettbewerb die Leistungsfähigkeit steigert. Schaut man etwas genauer hin, merkt man, was wir dadurch im doppelten Sinn Werte verlieren. Bundesbahner waren stolz darauf, dass man die Uhr nach ihren Ankunfts- und Abfahrtzeiten stellen konnte und es war möglich, jeden Winkel der Republik auf der Schiene zuverlässig zu erreichen. Die Post war ebenfalls ein Hort der Zuverlässigkeit und des Pflichtbewusstseins und deckte alle Funktionen der Post, des Fernmeldewesens und der Telefonie ab. Beamte dieser Einrichtungen waren Garanten für Verschwiegenheit. Heute verkaufen die Nachfolger der Post unsere privaten Daten an Dritte, damit sie uns manipulieren können. Briefe werden unregelmäßig und jeden Tag von anderen Personen zugestellt, die überwiegend nichts mehr mit dem früheren Briefträger zu tun haben. Bei der Telefonie tobt ein Leistungs- und Leitungskampf, der fernab von jeder Seriosität ist. Die Postbank ist inzwischen ein Unternehmen ohne soziale Ausrichtung und ähnlich unseriös, wie die meisten Geldinstitute, die ihre Kunden wegen des Profits übers Ohr hauen. Heute fahren die Züge, wann sie wollen und nur noch auf den Hauptstrecken. Mit der Aufgabe vieler Schienenverbindungen wurde der Verkehr auf die Straße verlagert und die LKWs verpesten die Luft und verstopfen die Autobahnen. Mit der Privatisierung gingen Werte verloren, die mehr bedeuten als schnödes Geld. Die Frage ist, ob diese Entwicklung richtig war und ob uns unsere Politiker damit einen Bärendienst erwiesen haben. >>>mehr
   
30.03.2018 Kontinuität oder Paradigmenwechsel?
Seit dem 29. März 2018, meinem 74. Geburtstag, liegt sie aus - die Seniorenzeitung 60 AUFWÄRTS - Ausgabe 02/2018. Sie ist allerdings die letzte Ausgabe, die ich als aktiver Redakteur mitgestaltete. Gleichzeitig bedeutet das für mich den Abschluss der Phase 1, der aktiven Phase des Unruhestands, in der man der Gesellschaft etwas zurückgeben möchte. Über 10 Jahre meines Ruhestands widmete ich der Zeitung, die inzwischen zu einer bedeutenden Seniorenzeitung der Region heranwuchs. Mit 2800 kostenlosen Exemplaren pro Quartal trägt sie zur Unterhaltung und zur Information der Maintaler Senioren bei. Auch überregional wird sie geschätzt, wie verschiedene Rückmeldungen zeigen. Das liegt wohl am interessanten Mix unterhaltender und informativ-kritischer Inhalte, die von Senioren geschätzt werden, denen wegen ihrer reifebedingten Aufmerksamkeit die Alternative der heute üblichen Seniorenbespaßung nicht adäquat erscheint. Damit ist die Maintaler Seniorenzeitung weit weg vom Stigma eines Vorleseheftchens für Soft-Demente. Auch wenn schon mal nach einer lokalen Gruppenreise in Afrika ein Artikel großspurig mit "Der afrikanische Kontinent" überschrieben wird und die Leser mit dem Hinweis bedient werden, dass man Südafrika findet, indem man "mit dem Finger auf dem Globus nach Süden fahren muss", - die Zeitung ist für Senioren gemacht, die über Lebenserfahrung verfügen. Es ist nur der individuelle schlichte Versuch, auch Randbereiche des Lebens mit Informationen zu bedienen. >>>mehr
    
22.03.2018 Gesundbetung
Die Stadt Maintal ehrte in einer speziellen Veranstaltung aufgrund einer öffentlichen Ehrungsausschreibung mehrere Personen, die sich selbst um eine Ehrung beworben hatten oder von Dritten für eine Ehrung vorgeschlagen wurden. Im letzteren  Fall sollten die Kandidaten laut ursprünglicher Ausschreibung mit der Bewerbung und öffentlichen Vorführung ihrer Aktivitäten einverstanden sein. Im Artikel "Kehrseite der Medaille" ging ich bereits auf die Wirkung bewertender Wettbewerbe auf selbstlos aktive Freiwillige ein. Interessant ist in diesem Zusammenhang jetzt die Bekanntgabe der Gründe zur Preisverleihung und die Zusammensetzung der Jury. Die Grundlagen zur Entscheidung der Jury sind in der Sache nachvollziehbar. Hätten die Bewerber das vorher gewusst, hätten sich einige  vielleicht erst gar nicht beworben. Da sie aber dennoch Aussicht auf Erfolg hatten, wie im Fall von Martin Fischer, lag wohl daran, dass die Jury die Grundlagen der Entscheidung selbst nicht so ganz ernst nahm. Die nachträglichen Erklärungen wirken nun wie eine Gesundbetung des Verfahrens. >>>mehr
    
11.03.2018 Da mach' ich mit, da geh' ich hin!
Menschen mit einem offenen Ohr und Auge für Sinnvolles sind gern bereit, sich einzubringen. Sie können das Wirken einer Gruppe, die mit besonderen Fähigkeiten erfolgreich ist, positiv beeinflussen, wenn solche vorhanden sind. Ehe es jedoch dazu kommt, steht die Frage im Raum, was im Sinne der erfolgreichen Gruppe "sinnvoll" ist. Da können die Meinungen zwischen dem Interessenten und der Gruppe ganz schön auseinander gehen. Unter vernünftigen Menschen klärt sich das jedoch meistens ganz schnell, wenn alle Seiten objektiv feststellen, ob ein Neuzugang zur Gruppe passt oder nicht. Dazu  müssen alle Seiten gleichermaßen den Verstand und das Gefühl bemühen und sich offen äußern, auch wenn es für Betroffene unangenehm ist. Geschieht das nicht, so sind völlig unvorhersehbare Auswirkungen möglich. Es ist also nicht allein der Beschluss eines Einzelnen, sich einer Gruppe anzuschließen, sondern auch eine Frage des Fortbestands einer bestehenden Gruppe.   >>>mehr
    
02.03.2018 Ein Dienst für Maintal
Im Zusammenhang mit einer Recherche des HR stieß ich in meinem privaten Archiv auf den Zeitungsartikel vom 13. März 2006. Er zeigt, wie die Maintaler Lokalzeitung, der MAINTAL TAGESANZEIGER über meine Aktivitäten dachte, die ich 2002 begann und 2015 einstellte. Über 12 Jahre begleitete ich aktiv die Maintaler Kommunalpolitik und brachte meinen Lesern und den Stadtverordneten, dem Bürgermeister und den Stadträten Sichten näher, die ihre Verhaltensweisen erzeugten. Meine Homepage wurde nebenbei zum politischen Archiv, das öffentlich genutzt werden konnte und auch benutzt wurde. Nachdem meine Zuversicht restlos geschwunden war, dass sich in Maintals Kommunalpolitik alles zum Guten wenden könnte, stellte ich diese Aktivitäten ein und löschte alle Seiten mit dieser Thematik. Eine kleine Kostprobe, wie dieses im neben stehenden Artikel erwähnte "Infotainment" gestaltet war, kann auf dieser Seite nachempfunden werden. >>>mehr
 
20.02.2018 Lokales Zeitungsdilemma
Die Kraft, die von einer Gruppierung ausgeht, wird von Inspirationen und Leistungen bestimmt. Sind deren Aktivitäten deutlich spür- und erlebbar, formen sich Anerkennung und Stellenwert in der Gesellschaft. Eine große Rolle spielt die Öffentlichkeitsarbeit, wenn sich die Leistungen in einer Nische abspielen, die nicht jeder genau kennt und nutzt. Wird eine Aktivität in der Öffentlichkeitsarbeit unangemessen aufgeblasen, wird sie Opfer der Glaubwürdigkeit. Wird sie jedoch überhaupt nicht thematisiert, obwohl sie von Lesern selbst wahrgenommen wird, generiert sich die Ansicht, sie sei es gar nicht Wert, in den Fokus gerückt zu werden. Einer ernst zu nehmenden Tageszeitung steht es gut, am Puls der Leserschaft zu sein, solche Schwingungen aufzugreifen und zu thematisieren. Gerade in Maintal findet das jedoch nahezu nicht mehr statt, seitdem der Maintal TAGESANZEIGER vom Hanauer Anzeiger aufgesaugt wurde. Ein gutes Beispiel ist die diesjährige Berichterstattung über das Maintaler Fastnachtsgeschehen, bei dem sich für einige Vereine die Hauptaktivität des Jahres mit großem Zuschauerzuspruch entfaltet. Aber auch weite andere Bereiche liegen im Wahrnehmungsschatten der Redaktion mit Minimalbesetzung. Die Wertigkeit bekommt dadurch rein kommerzielle Züge und die einzig richtige Reaktion darauf ist die Kündigung des Zeitungsabonnements, wenn sich damit massive Betroffenheit einstellt. >>>mehr
    
12.02.2018 Think big ala SPD
Es gibt da so einen Witz, bei dem jede Frage, die gestellt wird, immer beim selben Thema landet, weil die Person wirklich nur bei einem Thema kompetent ist. So scheint das auch bei Martin Schulz, dem verglühten Hoffnungsträger der SPD zu sein. Immer wenn er anfing, groß zu denken, landete er bei der EU, seinem Spezialgebiet. Nachdem er in der Bundespolitik chancenlos war und nach Brüssel ging, profilierte er sich und seine Partei holte ihn zurück, als sie sich der Wahrnehmungsgrenze näherte. Als Messias kam er mit all seinen EU-Meriten im Gepäck von dort zurück, und verbreitete in der SPD und der Wählerschaft Hoffnung. Was er mit seinen großen Gedanken infrage stellte, war jedoch das tägliche Brot der erfolglosen Politiker, mit dem sie ihre Funktionen ausfüllen. Das deklassierte sie. Die SPD müsse sich erneuern, wieder profilieren und klar vom politischen Gegner abgrenzen, war die Botschaft, die die Basis entzückte. Im Hintergrund stand bei ihm jedoch auch die Verquickung der deutschen mit der Europapolitik. Die SPD wäre besser beraten gewesen, wenn sie sich an die Spitze der Bewahrer der Demokratie gesetzt und damit in den Köpfen wieder die Erinnerung geschärft hätte, wer in der deutschen Geschichte nie den demokratischen Pfad verließ. Europa als Wärmepflaster für Frieden und freien Handel heilt nicht die deutschen Beschwerden. Obwohl die Mehrheit der Wähler nur allzu genau die Gefahren von Rechts sieht, die auf unsere Demokratie zukommen, schwächten sie bei der Wahl die großen Volksparteien. Nun scheint Deutschland einen Träumer verloren, aber eine Chance zur traumfreien Erneuerung in der Politik gewonnen zu haben, wenn man die richtigen Schlüsse zieht. Man wird sehen, ob das funktioniert. >>>mehr
    
02.02.2018

Ausgelebte Wissensdefizite

Tagtäglich wird jeder, der in heterogenen Gemeinschaften lebt, mit ausgelebten Wissensdefiziten konfrontiert. Mit Borniertheit und Arroganz vorgetragen ist diese Variante der Dummheit besonders aggressiv. Etwas erträglicher kann dies werden, wenn Lebenspartner solche Wissensdefizite ausgleichen. Das ist aber nur möglich, wenn in Partnerschaften wirklich ein Wissengefälle existiert und der Partner sich traut, den Auswirkungen der Defizite zu begegnen. Leider ist das selten der Fall, wodurch für Umstehende der Eindruck entsteht, dass beide Partner gleichermaßen gebildet und intelligent seien.

 

Nun ist es Fakt, dass Menschen in dieser Beziehung niemals gleich sein können, weil ihr Leben völlig unterschiedlich verlief. Einer muss doch über dem Anderen stehen. Doch, warum hilft man sich nicht gegenseitig? Weil vom Dümmeren oft urwüchsige Gewalt ausgeht und es ihm einfach an Substanz feht, Argumenten zu folgen. Sind sich Personen allerdings relativ gleich, spricht man von geballter einfältiger Macht. Weiten solche Personen ihren Einflussbereich deutlich aus und bilden gleichgeartete Seilschaften, kann eine Gemeinschaft mit krassen Verhaltensweisen rechnen, denen man mit allen Mitteln begegnen muss. Hier ist jedoch meist festzustellen, dass naive Allianzen ihre Reihen mit trotzigen Reaktionen fest geschlossen halten, wenn Dritte versuchen, deren Wesensdefizite auszugleichen. >>>mehr

      
21.01.2018 Wenn Nichts alles ist
Irgendwann kommt jeder Mensch mal an einen Punkt, an dem er das Gefühl hat, dass alles um ihn  herum inzwischen nichts mehr ist. Das ist umso gravierender, wenn ihm bewusst wird, dass dieses Nichts alles ist, was sein Leben noch ausmacht. Vielfach tritt das am Ende einer Kette von nicht eingetroffenen Erwartungen ein, wenn die letzte Hoffnung die ist, es möge hoffentlich nicht mehr schlimmer kommen. Doch meistens kommt es noch schlimmer, wenn man selbst nichts verändert. Also greifen immer wieder Zäsuren, die weittragende Folgen haben können. Selten wird beachtet, dass Fehleinschätzungen die häufigste Ursache ist. Liegt es nun am ungebremsten Optimismus oder dass man von sich auf Andere schließt? Spätestens hier reift die Erkenntnis, welch große Unterschiede zwischen Menschen bestehen und dass die eigenen Erwartungen zu hoch sind. Das gilt übrigens im Guten, wie im Bösen. Wenn man unterstellt, der Andere würde sich genauso verhalten, wie man selbst in vergleichbarer Situation, ist Enttäuschung vorprogrammiert - in der Negativspirale jedoch geringer als im Positiven.   >>>mehr
        
11.01.2018

Seniorenzeitung in Turbulenzen

Ab heute ist die erste Ausgabe 2018 der Maintaler Seniorenzeítung erhältlich, die kostenlos an vielen Stellen Maintals ausliegt. Sie kommt mit einem neuen Titelblatt daher, an das sich die Leserschaft erst gewöhnen muss. Dieses Titelblatt zeigt, dass Senioren nicht ganz so statisch denken, wie man ihnen das gern unterstellt. Auch Senioren gehen mit der Zeit, denn sie müssen im doppelten Sinn mit der Zeit gehen. Bis es aber soweit ist, ist es gut, dem Zeitgeist ein wenig zu folgen. So frischte die Redaktion den Look ihrer Zeitung auf, um auch zukünftige Senioren zeitgemäßer anzusprechen. Wer die Entwicklung der Maintaler Seniorenzeitung mitverfolgte und sich bewusst macht, dass damit inzwischen ca. 3000 Haushalte erreicht werden, erkennt in der lokalen Pressewelt den Stellenwert der Zeitung. Dem muss die kleine Redaktion natürlich gerecht werden, um ihrer erarbeiteten Reputation zu entsprechen. Das erfordert eine engagierte, fleißige und qualifizierte Mitarbeit und ein harmonisches Umfeld innerhalb der Redaktion. Als Redakteur muss man sich wohl fühlen, um daraus Energie und Motivation zu schöpfen. Wenn dies fehlt oder abnimmt, leidet die Bindung an das Ehrenamt. Typisch für selbstlose Ehrenamtliche ist es, dass sie selbst die höchsten Ansprüche an ihr Wirken stellen und die Freude über das Gelingen als einzigen Gegenwert akzeptieren. Geht die Freude verloren, so ist das Ende der Aktivität nah. >>>mehr

    
07.01.2018 Die Kehrseite der Medaille
Medaillen sind neben Pokalen die gängigste materielle Form einer Ehrung. Große Sportler sammeln Medaillen am Fließband und wir freuen uns über ihren Erfolg. Ihre Leistung wird miterlebt und ihre Siege sind greifbar. Es ist auch immer spannend, knappe Entscheidungen mitzuerleben. Etwas anders sieht es aus, wenn eine Jury nach eigenem Empfinden Sieger auswählt. Hier bleibt immer ein Beigeschmack, oftmals gar Frustration. Die Aufgabe einer Ehrung kann nur einigermaßen zufriedenstellend gelöst werden, wenn man unterschiedliche Disziplinen einrichtet und mit fachkundigen Juroren besetzt, die auf eigene Leistungen auf gleichem Gebiet zurückblicken können. Doch auch dann gehen die Meinungen über Entscheidungen immer wieder auseinander. Das liegt an den unterschiedlichen Maßstäben, die angelegt werden. Heftig fallen manchmal Urteile von Geehrten aus, wenn sie ihre Leistung mit denen anderer Preisträger vergleichen. Extrem negativ können sich Kandidaten betroffen fühlen, die bei der Jury durchfielen, weil sie mit Äpfeln und Birnen verglichen und dadurch zu Pflaumen wurden.   >>>mehr
           
24.12.2017 Periodische Kalenderzwänge
Wenn sich Erinnerungskulturen und Gruppenzwänge treffen, so löst das Handlungen aus, die nur zu bestimmten Anlässen vorgenommen werden. Vorher und nachher fehlt dafür jeglicher Grund und würde nur zu Irritationen führen. Es gibt die Zeit für Osterhasen und für Nikoläuse aus Schokolade, wobei sich manche Prachtexemplare nur durch die Hülle unterscheiden. Ganz normale Süßigkeiten kosten wegen der gezielten Verpackung  bei gleichem Warenwert das Doppelte. Gänse haben das ganze Jahr ein ruhiges Leben. Wegen eines Kalenderereignisses müssen sie millionenfach ihr Leben lassen. Über'm großen Teich trifft es dafür die Truthähne, anderswo die Karpfen. Alles scheint vom Kalender abhängig zu sein. Wir finden heute fast täglich spezielle Tage im Kalender, wie den Tag der Milch, der Pizza, der Schokolade, der Waffel und Tag der Zimtschnecke. Heute hat fast jede Interessengruppe die Möglichkeit, einen speziellen Tag im Kalender auszurufen, damit die Kassen klingeln. Sogar über geschlechtsspezifische Tage, wie den Tag der Tage, wird bereits nachgedacht. Momentan hat allerdings der christliche Glaube Konjunktur und beruft sich auf ein Ereignis voller Widersprüche, das wohl nie eine logische Erklärung finden wird. Es sind halt Tage des Glaubens. Und der Glaube kann Berge versetzen.   >>>mehr
    
10.12.2017

Bedenkliche Kehrtwenden

Jeder Mensch hat schon Kehrtwenden hinter sich, also die Umkehr auf einem als falsch erkannten Weg. Selbst das Navi im Auto rät gelegentlich "Bitte wenden, bei nächster Gelegenheit bitte wenden!" Doch hier stellen wir immer wieder fest, dass dies gar nicht stimmt, weil das Navi nicht mehr aktuell ist. Ein Update ist erforderlich. So ist es auch bei vielen Kehrtwenden, die uns unser menschliches Navi vorschlägt. Müssen wir immer exakt unserer inneren Stimme folgen? Die Frage ist nicht einfach zu beantworten.  

Der Jahreswechsel ist mal wieder so ein Zeitpunkt für Kehrtwenden. Wenn sich über eine längere Zeit bestimmte Erwartungen nicht mehr erfüllen und das Maß voll zu sein scheint, ist die Versuchung groß, sich abzuwenden, im schlimmsten Fall ist eine Kehrtwende vorzunehmen. Was bis gestern noch erstrebenswert, interessant oder sinnvoll erschien, ist heute plötzlich das genaue Gegenteil. Woran liegt das? Irgendwie hat das was mit Enttäuschung zu tun.   >>>mehr

            
06.12.2017 Seniorenpower
In wenigen Jahren wird ein Drittel der Maintaler Bevölkerung über 60 Jahre alt sein und man registriert die Senioren auch heute schon sehr stark, wenn alle Jüngeren auf der Arbeit sind. Dann bevölkern sie die Einkaufszentren, den fußläufig erreichbaren Einzelhandel  und die Arztpraxen. Viele von ihnen sind ehrenamtlich tätig und übernehmen seit vielen Jahren Pflichten, wie sie es gewohnt sind. Banken verkünden immer wieder, dass gerade Senioren die fleißigsten Sparer sind und über satte Reserven verfügen. Sie finanzieren ihren Kindern und Enkeln viele Dinge des Lebens, die sie sich sonst nur schwer leisten könnten. Selbst gönnen sie sich dagegen nicht viel, weil sie nicht wissen, was noch kommt. Viele Senioren pflegen die Gemeinschaft, um einen festen Platz in ihr einzunehmen, denn auf die Kinder ist im Alter vielfach kein Verlass. Die Bürgerhilfe Maintal ist ein Modell mit vielen Tausend Mitgliedern, die sich einbringen, um später selbst Hilfe zu erhalten. Seniorenpower versus Unterstützung, so heißt die Devise. Bei ihrem ehrenamtlichen Engagement lernen sie täglich aber auch die Kehrseite der Medaille kennen - die Altersarmut!  >>>mehr
    
27.11.2017

Zwischen den Welten

Maintal leistet sich seit vielen Jahren eine Bürgerbeteiligung, die nach außen hin lebhaft und den Interessen der Bürger angemessen erscheint. Taucht man etwas tiefer in die Welt des ehrenamtlichen Engagements ein, so gehen mehrere Welten auf, die recht unterschiedlich sind. Im Gespräch mit den Protagonisten dieser Welten oder im Zusammenhang mit eigenen Aktivitäten wird der tatsächliche Wert der Bürgerbeteiligung deutlich.

 Die Redaktion der Seniorenzeitung 60 AUFWÄRTS recherchiert regelmäßig  in diesen ehrenamtlichen Welten, weil sich nun mal auch viele Senioren unentgeltlich zum Wohl der Allgemeinheit einbringen. Was die Redakteure dabei aufwirbeln, finden viele Leser gut, weil es endlich einmal offen angesprochen wird. Andere wiederum betrachten es als Nörgelei, wie sie angeblich typisch für Senioren ist. Dinge, die einseitig hochgeschätzt sind, werden negiert, Dinge, die sich Senioren und viele andere Menschen wünschen, als Zumutungen empfunden. Es sind die unterschiedlichen Welten, die solche Reaktionen hervorrufen.   >>>mehr

    
10.11.2017 Befürchtungen werden Gewissheit
Mit dem vorangegangenen Artikel "Erfahrungen im neuen Wohnumfeld" ging es um die gegenseitige Rücksichtnahme und um die soziale Integration in den nachbarschaftlichen Bereich. In diesem Artikel möchte ich das Thema auf ganz Maintal ausweiten, im Grund genommen auf alle vom heutigen Zeitgeist erfassten Bereiche. Der größte den Zeitgeist formende Einfluss ist derzeit offensichtlich das Verhalten zu den Mitbürgern nach dem Motto "Was nicht verboten ist und was verboten ist, aber nicht überprüft wird, ist erlaubt!" So werden Verhaltensweisen bis zur Grenze und darüber hinaus ausgereizt. Beispielhaft dafür steht die Situation am Dörnigheimer Mainufer. Das Leben am Fluss ist für viele an Flüssen gelegenen Städte und Gemeinden ein interessanter Aspekt der Naherholung. Dies zu nutzen und für diesen Zweck aufzuwerten, ist ein wichtiges Projekt der Stadtentwicklung. Doch hier bereitet die gegenseitige Rücksichtnahme zwischen Besuchern und Anwohnern eine bedeutende, wenn nicht sogar die entscheidende Rolle. >>>mehr
    
08.11.2017 Einstimmung für Neubürger
Die neue Website möchte ich mit einigen Fragen eröffnen, die Sie sich stellen sollten. Was wird Neubürger erwarten, die sich für Maintal entschieden? Wo ist eigentlich der Ortsmittelpunkt? Wie funktioniert der Nahverkehr? Welche Kindergärten und Schulen gibt es? Wo kann man einkaufen und welche Lokale sind empfehlenswert? Welche Ärzte sind ansässig? Viele Fragen, die sich im direkten Kontakt mit Einheimischen und neuen Nachbarn am besten klären lassen. Doch zunächst merken Neubürger, dass es in Maintal recht ruhig zugeht. Das liegt daran, dass Maintal eine Wohn-/Schlafstadt ist und tagsüber die meisten Menschen zur Arbeit pendeln und nur die Senioren und die aus irgendwelchen Gründen Daheimgebliebenen zu sehen sind. Und noch eine Frage kommt auf: Warum nur geht es in anderen Kommunen von der Wahrnehmung her quirliger zu? Ganz einfach - weil sie es mit dem, was dort an Interessantem passiert, bis in die Tagespresse oder andere Medien schaffen. Maintal schafft es meistens nicht. Das Gute ist, dass dadurch der Eindruck entsteht, in Maintal im Tal der Glückseligen zu leben. >>>mehr
   


 

K(r)ampf mit dem generischen Maskulinum
Genderist*innen zu faul zum Schreiben

 

Nichtsprachwissenschaftler*innen haben es derzeit schwer, sich an neue Schreibweisen zu gewöhnen, für die sich eher maskuline Frauen und feminine Männer, also typische Genderist*innen einsetzen. Sie haben dem generischen Maskulinum den Kampf angesagt. Nun hat sogar der DUDEN-Verlag ein Buch mit dem Titel "Richtig gendern" herausgegeben, um Tipps zu geben, wie man Texte verkürzt, ohne besser verstanden zu werden. Übrigens: 45% der Wörter im Duden sind bereits feminin, 35% maskulin und 20% neutrum. Das ist Feministinnen jedoch noch zu wenig. Darum haben sie dem generischen Maskulinum den Kampf angesagt. Anstatt jedoch konsequent zu sein und beide Geschlechtsvarianten in Langschrift zu verwenden, benutzen sie Sternchen, Bindestriche und Schrägstriche mit /Innen und *dinnen und andere Schreibweisen. Der Grund ist klar: Sie sind zu faul für die lange Schreibversion und wollen Zeit und Platz sparen. Die Folge ist die Verunstaltung der Sprache.

 

Gendern macht noch nicht einmal vor der Seniorenzeitung halt

 

Seit vielen Jahren gibt es die Maintaler Seniorenzeitung. Nun wurde das Wort Seniorenzeitung von der Frauenbeauftragten der Stadt Maintal als generisches Maskulinum enttarnt und sie trug gemäß den Gender-Anordnungen der Bürgermeisterin das Ansinnen an die Redaktion heran, die Zeitung in "Senior*innenzeitung" umzubenennen. Das ist eine Zumutung! Die Zeitung 60 AUFWÄRTS wird sehr ausgewogen von Frauen und Männern gestaltet und die Artikel sind für beide Geschlechter gedacht. Was dieser Gender-Blödsinn soll, erschließt sich keinem Senior und keiner Seniorin so richtig. Wenn überhaupt,  so sollte die Redaktion nicht die schreibfaule Version verwenden, sondern - wenn überhaupt - die Bezeichnung "Zeitung für Maintaler Seniorinnen und Senioren".

 

Einige Genderisten und Genderschwestern werden jetzt irritiert sein, wenn ich behaupte, unsere Sprache wird durch das Gendern nicht ausdrucksstärker. Geschriebenes und Gesprochenes unterscheiden sich zudem deutlich. Wenn man zum Beispiel  "Senior*innenzeitung" (ohne gesprochenes Sternchen) sagt, könnte man meinen, die Zeitung sei nur für Frauen gedacht. Die männlichen Leser würden verbal einfach unterschlagen. Geschrieben klingt es nicht schlauer, aber man kann es wenigstens deuten. Insgesamt ist es jedoch ein ausgemachter Blödsinn.

 

Gegen das Gendern selbst, also die Einbeziehung beiderlei Geschlechter in die Ausdrucksweise, regt sich eigentlich kein Widerstand, sondern nur gegen die Faulenzerschreibweisen. An "Sehr geehrte Damen und Herren" hat man sich ja auch problemlos gewöhnt, obwohl vor 50 Jahren in der Geschäftskorrespondenz in der Anrede nur "Sehr geehrte Herren" üblich war. Ob die Frauen oder die Männer zuerst genannt werden, ist geregelt. Richtlinien besagen bei Anreden:

  • die Reihung erfolgt nach Hierarchie – unabhängig von Geschlecht und Titel  (z. B. Prof., Dr.),

  • bei gleicher Hierarchie (z. B. zwei Geschäftsführerposten) nach alphabetischer Reihenfolge,

  • bei gleicher Hierarchie mit Dame: zuerst die Frau, dann nach alphabetischer Reihenfolge.

Die Frage ist, was richtig ist, wenn keine der angesprochenen Personen einem der beiden Geschlechter zugeordnet werden kann.

 

Lehrstühle für das Gendern

 

In Deutschland wurden insgesamt 190 Lehrstühle für das Gender-Thema geschaffen (davon rund 180 für Frauen!) und mit üppigen Geldmitteln versehen. Es wird nicht mehr lang dauern, dann geht es auch dem maskulin sustantivierten Adjektiv an den Kragen. Dann gibt es nicht mehr Deutsche, sondern Deutsch*innen, Fromme werden zu Fromm*innen, Gutmütige zu Gutmüt*innen u.s.w., nur um nicht "deutsche Bürgerinnen und Bürger", "gutgläubige Wählerinnen und Wähler" und "gutmütige Menschen allerlei Geschlechts" verwenden zu müssen.

 

Im amtlichen Jargon und in Gesetzestexten ist mittlerweile nicht mehr von Fußgängern, sondern - gendergerecht - von "Zufußgehenden", nicht mehr von Autofahrern, sondern von "Autofahrenden", nicht mehr von Studenten, sondern von "Studierenden" die Rede. Aus Professor soll gar "Professx" werden, wobei das "X" natürlich für jede denkbare Geschlechtsvariante steht.

 

Große Unternehmen, Behörden und Verwaltungen gendern munter mit

 

Aufsehen erregte die Drogeriekette Rossmann, die eine Filiale in "Rossfrau" umbenannte. Kristin Rose-Möhring (SPD) vom Bundesfamilienministerium will eine Änderung des Texts der Nationalhymne. Aus "Vaterland" soll "Heimatland" werden, aus "brüderlich mit Herz und Hand" soll "couragiert mit Herz und Hand" werden. Einen Brief beendete sie natürlich mit „Mit fröhlich gegenderten Grüßen... . In der neuen Bibelübersetzung wurde Adam durch "Mensch" ersetzt, es gibt plötzlich sogar eine Apostel*in.

 

Der Unsinn scheint nicht mehr zu stoppen. Er verschlingt Unsummen, weil Drucksachen eingestampft und neu gedruckt werden, Ampelmännchen in Ampelweibchen oder gegen ein händchenhaltendes Paar ausgetauscht werden.

 

Wie sehr müssen manche Frauen unter den bisherigen Verhältnissen gelitten haben, dass sie sich so für dieses Thema einsetzen. Die gegenseitige Achtung wächst jedoch nicht mit aufgezwungenen Schreibweisen, sondern mit dem fairen Umgang miteinander. Achtung vor dem anderen Geschlecht hängt von anderen Faktoren ab. Wer Achtung voreinander verspürt, dem ist auch die Formulierung "Sehr geehrte Besucherinnen und Besucher" nicht zu lang.

Das systematische Gendern ist so entbehrlich wie ein Kropf!

 

21.06.2018

 
















 

Böcke als Gärtner  

 

Unsere ganz persönliche Welt lässt sich auf das Umfeld, in dem wir wohnen, reduzieren. Dort wollen wir zufrieden sein und harmonisch leben. Einige Menschen haben zusätzlich Freizeitdomizile, in die sie zeitweise ihr Leben verlagern können. Doch so einfach ist das mit der Zufriedenheit oft nicht. Das Zusammenleben mit anderen Menschen in harmonischer direkter Nachbarschaft erfordert allseits soziale Kompetenz und passende Verhaltensweisen. Wer diese nicht besitzt oder dazu nicht fähig ist, sollte seine Defizite nur in Einzelwohnobjekten und mit sich selbst ausleben. In größeren Wohnanlagen werden solche Menschen mit der Zeit zum Problem. Im Grund genommen ist das harmonische Zusammenleben in größeren Wohnanlagen jedoch recht einfach möglich, wenn man logischen Sachverstand und ethische Reife besitzt. Man muss sich nur sozial integrieren, also gegenseitige Rücksichtnahme pflegen. Umso höher in einer Wohnanlage die soziale Kultur ist, desto weniger Details müssen hinsichtlich des Zusammenlebens geregelt werden. Permanentes Fehlverhalten führt jedoch zu zusätzlichen Regelungen, Restriktionen und Zwängen, weil die Einsicht Einzelner fehlt.  

 

Wie funktioniert eine harmonische Wohngemeinschaft?  

 

Hier benutze ich für Eigentümergemeinschaften ganz bewusst den Ausdruck Wohngemeinschaft, denn in Wohnanlagen leben sowohl Eigentümer als auch Mieter. Der Idealfall ist, wenn alle Bewohner eines Hauses alle positiven Eigenschaften besitzen, die ein harmonisches Zusammenleben mit größtmöglicher gegenseitiger Rücksichtnahme ermöglichen. Es reicht bereits eine kleine Personengruppe, die sich konträr verhält, um das harmonische Zusammenleben zu destabilisieren. Das ist die schmerzliche Erkenntnis vieler Menschen, die über lange Zeit in einer gut funktionierenden Gemeinschaft lebten und plötzlich von Menschen heimgesucht werden, die sich sozial nicht integrieren lassen.

 

Bei Mietern lässt sich der Zustand leicht und mit einfachen Mitteln beheben, bei Miteigentümern gestaltet es sich schwieriger, wenn deren Persönlichkeitsstrukturen ungünstig sind. Absolut extrem können Verhaltensweisen von Psychopathen oder Menschen mit Persönlichkeitsstörungen werden.  

 

Regelungen und ein aktiver und integerer Beirat stabilisieren  

 

In einer Eigentümergemeinschaft greift das WEG, also das Wohneigentumsgesetz, das das Verwalten von und das Zusammenleben in Objekten regelt. Zentrale Regelwerke sind die Teilungserklärung und die Hausordnung. Die Interessen aller Eigentümer vertritt der Verwaltungsbeirat und die Hausverwaltung setzt Beschlüsse um. Deren Arbeitsweise ist im Kern im WEG geregelt, die Gesamtheit der Eigentümer kann jedoch weitere Funktionen und Aufgaben bestimmen. Alle Bewohner einer Wohnanlage haben sich an geltende Regelungen zu halten.  

 

Zu Beiräten sollten nur Miteigentümer gewählt werden, deren Verhalten nachweislich einwandfrei und unbelastet ist, damit sie neutral und im Sinne der Gemeinschaft regeln und bei Streitigkeiten schlichten können. Ist ein Beirat oder dessen direktes Umfeld in ein auftretendes Problem oder ganzer Serien von gemeinschaftsabträglichen Verhaltensweisen involviert, kann er seine Funktion wegen Befangenheit nicht ausführen.

 

Beiräte haben Vorbildfunktion und sollten integer, aufrichtig und ehrlich sein. Wer dies nicht erfüllt, sollte ein solches Amt ebenfalls nicht begleiten. Manchmal werden allerdings Böcke zu Gärtnern gemacht. Das sollte man verhindern.  

 

Richtiges Verhalten kann man nicht verordnen  

 

Die Reife von Menschen bestimmt, wie Inhalte von Regelungen und ungeschriebenen Gesetzen des menschlichen Zusammenlebens begriffen und umgesetzt werden. Fehlt diese Reife, besteht ein Problem. Ebenfalls abträglich ist das Verhalten von Miteigentümern, wenn sie ihre Augen vor Auswüchsen verschließen und alles lieber still erdulden, als auf ihr Recht zu pochen. Damit lastet dann der gesamte Druck auf den Beiräten.

 

Die Hoffnung auf Einsicht oder der Erlangung einer gewissen sittlichen Reife bei den Auffälligen ist leider selten von Erfolg gekrönt. Wo provokante Übertretungen an der Tagesordnung sind, helfen leider nur Null Toleranz und Sanktionen. Die Einsicht und die Verhaltenskorrektur muss mit drastischen Maßnahmen erzwungen werden.  

 

Widerstandskultur zwingt zu besonderen Mitteln  

 

In Eigentümergemeinschaften können einzelne Störenfriede kleine Widerstandszellen bilden, um gemeinsam gültige Gemeinschaftsregelungen aufzubrechen oder zu unterwandern. Dabei fokussieren sie sich vornehmlich auf die Gemeinschaftsbereiche eines Objektes. Es gilt bei ihnen, die eigene Wohneinheit um Zusatzflächen zu erweitern und Dinge aus den Wohnungen in Gemeinschaftsbereiche zu verlagern. Sie wollen diese Missstände über die stille Duldung zu ihren Gunsten fest etablieren. Sind solche Personen sogar Beiräte, dann hat man auch hier Böcke zu Gärtnern gemacht.  

 

Zeitgemäße Diskussionskultur kann helfen  

 

Dissonanzen und Fehler lassen sich thematisieren und diskutieren, wenn auf allen Seiten dazu die Bereitschaft besteht und die Parteien zur Diskussion fähig sind. Solang es Mittel gibt, Diskussionen auf andere Ebenen verlagert fortzuführen, sollte man das nutzen, bis Einsicht spürbar ist. Hierzu ist auch das Internet geeignet.

 

Argumente werden sehr oft interpretiert und im Sinn verdreht. Es empfiehlt sich deshalb, die Diskussionen schriftlich fortzuführen, wenn man erkennt, dass die Diskutanten das gesprochene Wort geistig nicht schnell genug verarbeiten oder arglistig verdrehen. In der Schriftform besteht für den etwas Begriffsstuzigen die Möglichkeit, die Argumente so lang durchzulesen, bis sie richtig verstanden wurden. Wenn solche Aktionen zusätzlich und anonymisiert in Medien stattfinden, die die gestörten Gesprächspartner nutzen, ist ein gewisser Grad an therapeutischer Öffentlichkeit hergestellt, um Normabweichungen verständlich zu machen. Das kann zu positiven Diskussionen führen, die zielführend sind. Denn: Wer will schon so sein, wie es allewelt missbilligt und für abartig hält!?

 

28.04.2018

 






























 

Wohin Privatisierung führt

Allewelt ist stolz auf den Forstschritt und glaubt daran, dass die Privatisierung öffentlicher und staatlicher Bereiche ein Segen ist, weil in der Privatwirtschaft angeblich klügere Köpfe sitzen und Wettbewerb die Leistungsfähigkeit steigert. Schaut man etwas genauer hin, merkt man, was wir dadurch im doppelten Sinn Werte verlieren. Bundesbahner waren stolz darauf, dass man die Uhr nach ihren Ankunfts- und Abfahrtzeiten stellen konnte und es war möglich, jeden Winkel der Republik auf der Schiene zuverlässig zu erreichen. Die Post war ebenfalls ein Hort der Zuverlässigkeit und des Pflichtbewusstseins und deckte alle Funktionen der Post, des Fernmeldewesens und der Telefonie ab. Beamte dieser Einrichtungen waren Garanten für Verschwiegenheit. Heute verkaufen die Nachfolger der Post unsere privaten Daten an Dritte, damit sie uns manipulieren können. Briefe werden unregelmäßig und jeden Tag von anderen Personen zugestellt, die überwiegend nichts mehr mit dem früheren Briefträger zu tun haben. Bei der Telefonie tobt ein Leistungs- und Leitungskampf, der fernab von jeder Seriosität ist. Die Postbank ist inzwischen ein Unternehmen ohne soziale Ausrichtung und ähnlich unseriös, wie die meisten Geldinstitute, die ihre Kunden wegen des Profits übers Ohr hauen. Heute fahren die Züge, wann sie wollen und nur noch auf den Hauptstrecken. Mit der Aufgabe vieler Schienenverbindungen wurde der Verkehr auf die Straße verlagert und die LKWs verpesten die Luft und verstopfen die Autobahnen. Mit der Privatisierung gingen Werte verloren, die mehr bedeuten als schnödes Geld. Die Frage ist, ob diese Entwicklung richtig war und ob uns unsere Politiker damit einen Bärendienst erwiesen haben.

 

Waren Beamte und Staatsbedienstete wirklich unfähiger als Privatwirtschaftler?

 

Die Privatisierung von Post und Bahn war eine politische Entscheidung, die weniger von Sachverstand, eher von massiver Lobbyarbeit forciert wurde. Die Politker fielen auf die verbreitete Ansicht herein, dass Beamten unfähig zu wirtschaftlichem Denken seien und deshalb unkontrolliert Kosten verursachen würden, die nicht im Verhältnis zur Leistung stünden. Was die Post und die frühere Reichsbahn zu leisten imstande  war, bewiesen sie im letzten Weltkrieg mit einer gigantischen logistischen Leistung, die sie während den Zeiten des Wiederaufbaues und des Wirtschaftswunders aufrecht hielten. Was heute an Leistung geboten wird, ist vielfach den Preis nicht wert, der dafür bezahlt werden muss. Vielleicht hätte das Augenmerk mehr auf die diesbezügliche Ausbildung der Beschäftigten und natürlich der Führungsetagen richten sollen.

 

Dienstauffassung und Zuverlässigkeit gingen verloren

 

Postbeamten und Bundesbahnbediensteten konnte man absolut vertrauen. Heute muss man um seine privaten Daten bangen, denn die Nachfolgeorganisationen verkaufen diese für stattliche Summen. Weder Politiker noch die Bürger selbst haben Einfluss auf das, was geschieht. Internationale Verflechtungen machen eine Kontrolle absolut unmöglich. Die Brief- und Paketpost wird Personen anvertraut, die teilweise völlig unqualifiziert sind. Das öffnet den unmöglichsten Situationen Tür und Tor.

 

Mein Vater war ein leitender Postbeamter und sein Vertrauen in die Post war unerschütterlich. Was man der Post anvertraute, war seiner Meinung nach sicher und kam stets an. Da gingen Sendung nur bei Unglücken verloren. Was verschickt wurde, das kam an. Da warf auch niemand einen Zettel in den Briefkasten und verschwand, wenn ihm die Zustellung zu aufwändig war. Und bei der Bahn konnte man sich jedem Bediensteten anvertrauen, der einem dann sicher weiter half. Heute muss man mit Avataren kommunizieren, die ungenaue Auskünfte geben oder dies verweigern, wenn man zum Beispiel Dialekt spricht. Zudem sind die Auskünfte unzuverlässig. Bahnsteige verkommen und verwahrlosen. Züge sind hoffnungslos überfüllt und unpünktlich. Wegen des unverantwortlichen Rückbaus und der Vernachlässigung des Schienennetzes ist eine umweltgerechte Verlagerung des Verkehrs auf die Schienen unmöglich geworden.

 

Denn sie wissen nicht, was sie tun...

 

Immer wieder werden weittragende Entscheidungen von Personen getroffen, die wir gewählt haben, ohne zu wissen, wessen Geistes Kind sie sind und auf welcher Gehaltsliste sie stehen. Unsummen und geldwerte Leistungen bis hin zur Parteienfinanzierung - aber auch schlichte Dummheit - begünstigen Fehlentscheidungen, die Werte im Staatsbesitz verhökern und damit im Sinne der Gemeinschaft ruinieren. Werte, die im staatlichen Besitz verbleiben, werden durch politischen Schwachsinn, wie die schwarze Null, dem Verfall preisgegeben. Schulen, Straßen, Brücken und andere Einrichtungen verfallen. Selbst die Bundeswehr wird kaputtgespart und viele teuere Waffensysteme sind nicht einsatzfähig. Es wird sinnlos Geld verbraten, aber die geschaffenen Werte werden nicht erhalten. Es scheint, als wären die falschen Personen an den Stellhebeln. Es wandern offensichtlich zu viele unqualifizierte Personen in die Politik ab - und wir wählen sie. Irgendwie müssen wir alle uns den Vorwurf gefallen lassen, dass wir nicht wissen, was wir tun.

 

02.04.2018

 



















 

Kontinuität oder Paradigmenwechsel?

Seit dem 29. März 2018, meinem 74. Geburtstag, liegt sie aus - die Seniorenzeitung 60 AUFWÄRTS - Ausgabe 02/2018. Sie ist allerdings die letzte Ausgabe, die ich als aktiver Redakteur mitgestaltete. Gleichzeitig bedeutet das für mich den Abschluss der Phase 1, der aktiven Phase des Unruhestands, in der man der Gesellschaft etwas zurückgeben möchte. Über 10 Jahre meines Ruhestands widmete ich der Zeitung, die inzwischen zu einer bedeutenden Seniorenzeitung der Region heranwuchs. Mit 2800 kostenlosen Exemplaren pro Quartal trägt sie zur Unterhaltung und zur Information der Maintaler Senioren bei. Auch überregional wird sie geschätzt, wie verschiedene Rückmeldungen zeigen. Das liegt wohl am interessanten Mix unterhaltender und informativ-kritischer Inhalte, die von Senioren geschätzt werden, denen wegen ihrer reifebedingten Aufmerksamkeit die Alternative der heute üblichen Seniorenbespaßung nicht adäquat erscheint. Damit ist die Maintaler Seniorenzeitung weit weg vom Stigma eines Vorleseheftchens für Soft-Demente. Auch wenn schon mal nach einer lokalen Gruppenreise in Afrika ein Artikel großspurig mit "Der afrikanische Kontinent" überschrieben wird und die Leser mit dem Hinweis bedient werden, dass man Südafrika findet, indem man "mit dem Finger auf dem Globus nach Süden fahren muss", - die Zeitung ist für Senioren gemacht, die über Lebenserfahrung verfügen. Es ist nur der individuelle schlichte Versuch, auch Randbereiche des Lebens mit Informationen zu bedienen.

 

Mein ganz persönlicher Weg

 

Auch wenn nur wenige Leser interessiert, wer hinter dem Lesestoff steht, so möchte ich doch einige Worte über meine persönliche Philosophie verlieren. Offensichtlich gehöre ich zu den Menschen, deren Lebensinhalt vorwiegend aus engagiertem Arbeiten besteht. Erfolgreich engagiert kann man aber nur sein, wenn man bis in die Haarspitzen motiviert ist. Sobald die Motiviation schwindet und das Gefühl aufkommt, dass man nur noch lauwarmes Wasser tritt, sollte man eine Aktivität beenden und neuen kreativen Elementen Platz machen. Das zieht sich wie ein roter Faden durch mein Leben. Stets war ich bemüht, auch für einen reibungslosen und erfolgreichen Übergang zu sorgen, damit ich sicher sein konnte, dass Erfolgsstories weiter gehen.

 

Erstmals in meinem Leben zolle ich der altersbedingt abnehmenden Kondition rechnung. Als ich das merkte, führte mich das Nachddenken zur Theorie, dass man den Ruhestand in drei Phasen einteilen kann, in

  • die Phase des quirligen und engagierten Schaffens,

  • die Relativierungsphase, in der man über die Effektivität der Phase 1 nachdenkt

  • und die Bespaßungsphase, in der man den Rest der Restlaufzeit abdeckt.

 

Daraus ergeben sich Konsequenzen. Als Umkehrpunkt und als Kriterium legte ich den Grad der Freude fest, die mit einer Aktivität verbunden ist. Sind Mühe und Lohn in Form von Würdigung nicht mehr im Einklang, ist der Punkt erreicht. So kam es dazu, dass ich aus der Redaktion ausschied.

 

Abschiedsgeschenke an die Leser

 

Wer die neue Ausgabe der Seniorenzeitung liest, wird auf meine letzten Artikel stoßen, die im Sinne von Infotainment kritisch-informativ mit dem Zeitgeist umgehen. Sie sind im Geist von Seniorenpower geschrieben und liefern genügend Ansätze, um über Entwicklungen nachzudenken. Derartige Artikel werde ich auch zukünftig als Gastautor beisteuern, jedoch nicht mehr auf das gesamte Themenmix der Zeitung  und deren Platzierung einwirken können.

 

Die Seniorenzeitung braucht fähige Redakteure

 

Da zusammen mit mir insgesamt vier Redakteurinnen und Redakteure innerhalb der letzten 8 Monate ausschieden, braucht die Zeitung neue fähige Verstärkung, die auch bereit ist, etwas zu leisten und taufrische Artikel zu schreiben. Der Rückgriff auf alte Texte, die aus anderen Veröffentlichungen längst bekannt sind, muten eher wie abgestandenes Bier an, wenn sie veröffentlicht würden. Das betrifft auch Maintaler Verwaltungstexte, die über jedes nur erdenkliche Medium bereits bekannt sind. So etwas wollen Senioren mit Zeitabstand nicht noch einmal lesen. Es gehört auch zur kritischen Redaktionsmitarbeit, dass solche Tendenzen verhindert werden.

 

Die Redaktion ist inzwischen auch den Inserenten verpflichtet, die gerade wegen der interessanten Inhalte und der Beliebtheit der Zeitung werben und damit die Zeitung finanzieren. Auch müssen die Leser vor Werbung geschützt werden, die sie schädigen könnte, weil sie diese als Empfehlung verstanden. Gänzlich verwerflich wäre es, wenn Redakteure die Zeitung für eigene Werbung missbrauchen würden. Schließlich gelten auch hier klare Zeitungsregeln und die Berufsethik für die Presse, auch wenn es sich um ehrenamtliche Arbeit handelt. Redakteure brauchen also etwas mehr als nur Interesse an der Mitarbeit.

 

Die Seniorenzeitung steht auf einer soliden Basis und trägt inzwischen ein neues attraktives Etikett. Jetzt geht es um den zukünftigen Inhalt. Daran sollten fähige Senioren mitwirken, die Spaß und Tatendrang verspüren, für interessante Inhalte zu sorgen und sich wie verantwortliche Redakteure oder Redakteurinnen betätigen. Dazu wünsche ich der Redaktion viel Glück und Erfolg. Es ist eigentlich alles angerichtet. Kontinuität bei gleichzeitiger kreativer Verstärkung halte ich persönlich für den besten Weg.

 

30.03.2018







 

Gesundbetung

Die Stadt Maintal ehrte in einer speziellen Veranstaltung aufgrund einer öffentlichen Ehrungsausschreibung mehrere Personen, die sich selbst um eine Ehrung beworben hatten oder von Dritten für eine Ehrung vorgeschlagen wurden. Im letzteren  Fall sollten die Kandidaten laut ursprünglicher Ausschreibung mit der Bewerbung und öffentlichen Vorführung ihrer Aktivitäten einverstanden sein. Im Artikel "Kehrseite der Medaille" ging ich bereits auf die Wirkung bewertender Wettbewerbe auf selbstlos aktive Freiwillige ein. Interessant ist in diesem Zusammenhang jetzt die Bekanntgabe der Gründe zur Preisverleihung und die Zusammensetzung der Jury. Die Grundlagen zur Entscheidung der Jury sind in der Sache nachvollziehbar. Hätten die Bewerber das vorher gewusst, hätten sich einige  vielleicht erst gar nicht beworben. Da sie aber dennoch Aussicht auf Erfolg hatten, wie im Fall von Martin Fischer, lag wohl daran, dass die Jury die Grundlagen der Entscheidung selbst nicht so ganz ernst nahm. Die nachträglichen Erklärungen wirken nun wie eine Gesundbetung des Verfahrens.

 

Grundlagen der Entscheidung der Jury

(entnommen aus der Internet-Veröffentlichung)

 

 

Preisträger sollen Personen oder Gruppen sein, die

  • in dieser Funktion nicht im öffentlichen Fokus stehen

  • bislang noch keine Preise oder größere öffentliche Anerkennung erfahren haben

  • aus verschiedenen Bereichen des sozialen Engagements kommen

  • wichtige gesellschaftliche Entwicklungen und Erfordernisse unterstützen

 

 

Grundsätzlich treffen auf alle Preisträger mit Ausnahme von Martin Fischer, dem CDU-Kommunalpolitiker und Fraktionsvorsitzenden, dem offiziellen Vertreter der Deutschen Rentenversicherung, der unter "Rentenberatung Fischer" firmiert und seine Dienste einem breiten Personenkreis anbietet, die Bedingungen zu. Mit dem mit den Funktionen erworbenen Bekanntheitsgrad und der Wechselwirkung steht er durchaus im Fokus der Öffentlichkeit und profitierte davon natürlich bei der Kommunalwahl. Die soziale Komponente seines Engagements steht in meiner Kritik nicht zur Debatte, nur der Fehlgriff der Jury, der die selbst gesetzten Grundlagen der Entscheidung in diesem Punkt missachtete.

 

Das berechtigt zur Frage, was denn mit "nicht im öffentlichen Fokus" gemeint ist. Als ich als langjähriges Redaktionsmitglied der Maintaler Seniorenzeitung 60 AUFWÄRTS vor einigen Wochen völlig unverbereitet ein Schreiben in Händen hielt, in dem stand, dass die Seniorenzeitung unter 20 Bewerbungen keine Berücksichtigung fand, fragte ich mich, wer denn die Seniorenzeitung ungefragt zur Ehrung vorschlug. Teile der Redaktion sehen ihre Tätigkeit als selbstloses Ehrenamt an und benötigen zur Motivation keine Anerkennung und Sachleistungen. Die Redaktion stieg deshalb sofort aus der inszenierten Vergleichsveranstaltung aus.

 

Nun steht fest, dass diese Entscheidung auch hinsichtlich der bis dahin unbekannten Ehrungsgrundsätze richtig war. Die Seniorenzeitung steht mit 2800 Exemplaren je Quartal durchaus im Fokus der Öffentlichkeit und durfte schon deshalb nicht berücksichtigt werden. Viel schlimmer empfinde ich nach wie vor, dass über den Vergleich von Äpfeln mit Birnen von einer zusammengewürfelte Jury ehrenamtliches Engagement bewertet und damit Motivation zerstört wird. Eine Würdigung des vielfältigen sozialen Engagements im Rahmen einer würdigen Veranstaltung ohne Wertung und Sachpreise wäre sinnvoller gewesen.

 

Das Roll-Out der Ehrungsveranstaltung, die den Initiatoren so sehr zusagte, scheint allerdings immer noch nicht beendet zu sein, denn in Facebook und den kostenlosen Wochenzeitungen wird sie immer wieder mit neuen Informationen aufbereitet. Vielleicht liegt das daran, dass die Wahrnehmung in der Öffentlichkeit nicht so groß war. So aber wird sie allmählich zum Politikum.

 

22.03.2018





 

Da mach ich mit, da geh' ich hin  

 

 

Menschen mit einem offenen Ohr und Auge für Sinnvolles sind gern bereit, sich einzubringen. Sie können das Wirken einer Gruppe, die mit besonderen Fähigkeiten erfolgreich ist, positiv beeinflussen, wenn solche vorhanden sind. Ehe es jedoch dazu kommt, steht die Frage im Raum, was im Sinne der erfolgreichen Gruppe "sinnvoll" ist. Da können die Meinungen zwischen dem Interessenten und der Gruppe ganz schön auseinander gehen. Unter vernünftigen Menschen klärt sich das jedoch meistens ganz schnell, wenn alle Seiten objektiv feststellen, ob ein Neuzugang zur Gruppe passt oder nicht. Dazu  müssen alle Seiten gleichermaßen den Verstand und das Gefühl bemühen und sich offen äußern, auch wenn es für Betroffene unangenehm ist. Geschieht das nicht, so sind völlig unvorhersehbare Auswirkungen möglich. Es ist also nicht allein der Beschluss eines Einzelnen, sich einer Gruppe anzuschließen, sondern auch eine Frage des Fortbestands einer bestehenden Gruppe.  

 

Was funktionieren soll, muss passen!  

 

Im zwischenmenschlichen Bereich gilt das gleiche, was in der Technik quasi Gesetz ist. Alle miteinander funktionierenden Elemente müssen exakt zueinander passen, sonst ist die Funktion gestört. Bei technischen Reparaturen kommt der Anpassung eines Teiles, das ersetzt werden soll, besondere Bedeutung zu. Nachdem ermittelt wurde, was der Grund für den Ausfall des Originalteiles war, sollte der Ersatz nicht nur gleichwertig, sondern möglichst besser sein. Wird nur notdürftig geflickt, ist der nächste Ausfall bereits voraussehbar. In den neuen Bundesländern gab es für den Trabant den Spruch: "Mit 'ner Zange und 'nem Draht kommst'de bis nach Leningrad!" Er verschwieg jedoch, wie viel Draht man brauchte und wie oft die Zange im Gebrauch war. Das richtige Ersatzteil wäre sinnvoller gewesen, weil es exakt passt.  

 

Im zwischenmenschlichen Bereich spielen Fähigkeiten und interkommunikative Verhaltensweisen eine große Rolle, wenn eine Gruppe funktionieren soll. Um es wiederum mit technischen Argumenten zu erklären: Es wäre ebenso falsch, einen Formel 1-Motor in einen Trabant zu montieren, als die Bremsen eines Trabant in einen Rennwagen einzubauen. Die richtige Qualität und Substanz kann man nicht herbeireden, sie muss tatsächlich vorhanden sein.

 

Was ist adäquat?  

 

Unter "adäquat" versteht man, dass etwas "passend" oder "angemessen" ist und setzt voraus, dass das vollständig und korrekt beurteilt wird. Dazu muss allerdings exakt überprüft werden, wie eine Sache beschaffen ist. Eine passgenaue Veredelung des gestörten Zustands ist natürlich das Optimum. Adäquat bedeutet natürlich auch, dass das Werteverhältnis stimmig ist. Das hängt wiederum davon ab, dass beiden Seiten ihr eigener jeweiliger Wert bewusst und die Abwägung angemessen ist.  

 

Stößt eine unpassende neue Person zu einer Gruppe hinzu, so kann sie im schlimmsten Fall die Gruppe zerstören. Soll die einst erfolgreiche Gruppe am Leben erhalten werden, müssen nun passende neue Personen zur kürzlich notintegrierten aber nicht passenden Komponente gefunden werden. Das ist natürlich sehr schwer. Um es erneut mit einem technischen Vergleich zu verdeutlichen: Es muss nun für einen zum alten Motor unpassenden Vergaser ein anderer Motor gesucht werden. Irgendwie erscheint das unlogisch und nicht adäquat.  Das kann man auch nicht schönreden.

 

Man muss wissen, was richtig ist  

 

Wenn nun  wirklich Menschen mit einem offenen Ohr und Auge für Sinnvolles bereit sind, sich einzubringen, werden sie beurteilen, ob sie zur Gruppe oder die Gruppe zu ihnen passen. Sie erkennen passende und unpassenden Komponenten und sehr wahrscheinlich nehmen sie wegen Letzteren von ihrem Vorhaben Abstand. Man muss also vor der Generalüberholung alles entkernen, was die Funktion beeinträchtigt. Dann klappt es auch mit dem Ersatz, wie wir aus der Werbung wissen.

 

11.03.2018

 








Kommen aus dem Nichts und gehen ins Ungewisse

Es gibt Personen, die quasi aus dem Nichts kommen und so von sich so überzeugt sind, dass sie bedenkenlos ins Ungewisse gehen. Sie halten sich für das Maß aller Dinge und jeder Situation gewachsen. Der Grund bleibt Außenstehenden verborgen. Alles, was sie von solchen Personen wissen, entnahmen sie deren Selbstdarstellung. Was davon belastbar ist, müssen Leistungen belegen, die noch abzuliefern sind.

 

Nun gibt es auch respektable Menschen, deren guter Ruf bekannt und deren Leistungen anerkannt sind. Sie in der eigenen Mitte zu wissen, ist eine Ehre und eine Bank, auf die man setzen kann. Solche Menschen brauchen sich nicht selbst zu loben. Leider sind solche Menschen Mangelware.

 

Bekanntlich werden Motten durch fremdes Licht angezogen, obwohl sie das nie zugeben würden. Menschen, auf die das ebenfalls zutrifft, sind süchtig nach Licht. Sie wollen dort sein, wo der Erfolg ist. Ist ein Platz an der Sonne frei und sie wollen ihn unbedingt belegen, bewerben sie sich so, dass man ihnen den Platz zur Verfügung stellt. Nun ist es allerdings an der Zeit, dass Leistungen die Aufnahme rechtfertigen. Damit beginnt das eigentliche Problem bei Menschen, die aus dem Nichts kommen.

 

Manche pumpen sich auf wie die Maikäfer und summen was das Zeug hält. Um die eigene Leistung vermeintlich zu erhöhen, reden sie sogar die bisherige Leistung der Zielgruppe klein. Dabei ziehen sie angebliche Wertschätzungsäußerungen Dritter heran, denn sie selbst würden so etwas ja nie sagen. Auch zeige man eigentlich gar kein Interesse, doch eine wichtige Person des Umfelds habe um die Teilnahme gebeten. Was soll man da machen!?

 

Gut, das zu wissen, wenn es stimmt! Das hieße aber, dass die wichtige Person im Hintergrund Defizite in der Beurteilung von Teamfähigkeit hat. Man muss schon wissen, wen man wohin schickt. Dazu gehört, dass man weiß, welche Anforderungen dort gestellt werden. Oftmals stellt sich eine solche Äußerung jedoch als taktische Finte ohne Wahrheitsgehalt heraus. Wer aus dem Nichts kommt und ins Ungewisse geht, muss sich sozial integrieren, wenn er Erfolg haben will. Die Grundbedingung dazu ist Offenheit, Ehrlichkeit und Anpassungsfähigkeit.




 

Ein Dienst für Maintal

Was die Lokalzeitung vor 12 Jahren dachte


Im Zusammenhang mit einer Recherche des HR stieß ich in meinem privaten Archiv auf den Zeitungsartikel vom 13. März 2006. Er zeigt, wie die Maintaler Lokalzeitung, der MAINTAL TAGESANZEIGER, über meine Aktivitäten dachte, die ich 2002 begann und 2015 einstellte. Über 12 Jahre begleitete ich aktiv die Maintaler Kommunalpolitik und brachte meinen Lesern und den Stadtverordneten, dem Bürgermeister und den Stadträten Sichten näher, die ihre Verhaltensweisen erzeugten. Meine Homepage wurde nebenbei zum politischen Archiv, das öffentlich genutzt werden konnte und auch benutzt wurde. Nachdem meine Zuversicht restlos geschwunden war, dass sich in Maintals Kommunalpolitik alles zum Guten wenden könnte, stellte ich diese Aktivitäten ein und löschte alle Seiten mit dieser Thematik. Eine kleine Kostprobe, wie dieses im neben stehenden Artikel erwähnte "Infotainment" gestaltet war, kann auf dieser Seite nachempfunden werden.

Als ich mit der Berichterstattung über die Kommunalpolitik begann, waren Stadtverordnetenversammlungen noch Evente, die nicht in wörtlicher Rede protokolliert wurden. Es gab nur Beschlussprotokolle und Zeitungsberichte, die später nicht mehr jedermann zur Verfügung standen. Während den Parlamentssitzungen kannten nur die direkt Involvierten die Beschlusstexte und für die Besucher war es schwer, den Debatten zu folgen. Diese Lücke schloss ich, indem ich bereits vor den Sitzungen Informationen präsentierte. Heute besitzt Maintal das Infoportal und die Parlamentssitzung ist mit einer großen Leinwand ausgestattet, auf der die TOPs mitzulesen sind. Seit einiger Zeit können die aktuellen und die gelaufenen Sitzungen im Parlamentsfernsehen verfolgt werden. Es hat sich also in Sachen Transparenz etwas getan. Dennoch werden viele Ecken der Kommunalpolitik nicht richtig ausgeleuchtet und die Ergebnisse nicht so präsentiert, dass auch Hintergründe, Befindlichkeiten und daraus resultierende Handlungen angemessen erörtert werden.

Lokales Kabarett verstärkte die Aktivität

Im Jahr 2003 wurde im HMV das Kabarett MIKROKOSMOS gegründet, das erstmals 2005 auftrat und seitdem fest zur Palette der Maintaler Kultur gehört. Von Jahr zu Jahr nimmt die Kommunalpolitik dort einen größeren Raum ein, wobei jährlich den Zuschauern der fünf ausverkauften Veranstaltungen vieles näher gebracht wird, was kritikwürdig war. Innerhalb der Kabaretttruppe wuchs das Interesse der damals noch jungen Akteure an Politik. Heute kommen die Texte aus ihren eigenen Federn. Das Publikum verfolgt  interessiert die Sketche.

War die Entscheidung von 2015 richtig?

Gut zwei Jahre nach der Einstellung der Kommunalpolitik auf meiner Homepage ist es ruhig rund ums Rathaus. Man hat wieder Ruhe vor meinen Aktivitäten. Es hat sich einiges verändert und die Kommunalpolitik rückt zunehmend aus dem Fokus der Maintaler und dem Interesse des Umlands. Die Berichterstattung der Lokalzeitung und der überregionalen Zeitungen lässt Maintal in der Wahrnehmung verblassen. Auch wenn die Bürger durchaus Interesse an politischem Infotainment hätten, viele Kommunalpolitiker würden es nicht begrüßen, wenn man ihnen erneut in die Karten schaut. Sie könnten nicht mehr so unbeobachtet ihre Süppchen kochen, die allerdings von der Bürgermeisterin allesamt weggelächelt werden. Selbst das Maintal-Forum ließen sie schließen, u.A. weil ich dort präsent war.

Die Kommunalpolitk ist heute in einem erbärmliche Zustand, seitdem windige Kräfte Maintals Finanzen auf Kosten der Bürger verbesserten und man im Rathaus nun wieder aus dem Vollen schöpfen kann. Aus Sicht der Politiker ist also alles in Ordnung....! Man soll sie einfach in Ruhe machen lassen. Mir soll's recht sein.

02.03.2018










Jetzt kochen sie ihre Süppchen wieder völlig unbeobachtet - wohl bekomm's!

 

Lokales Zeitungsdilemma

Die Kraft, die von einer Gruppierung ausgeht, wird von Inspirationen und Leistungen bestimmt. Sind deren Aktivitäten deutlich spür- und erlebbar, formen sich Anerkennung und Stellenwert in der Gesellschaft. Eine große Rolle spielt die Öffentlichkeitsarbeit, wenn sich die Leistungen in einer Nische abspielen, die nicht jeder genau kennt und nutzt. Wird eine Aktivität in der Öffentlichkeitsarbeit unangemessen aufgeblasen, wird sie Opfer der Glaubwürdigkeit. Wird sie jedoch überhaupt nicht thematisiert, obwohl sie von Lesern selbst wahrgenommen wird, generiert sich die Ansicht, sie sei es gar nicht Wert, in den Fokus gerückt zu werden. Einer ernst zu nehmenden Tageszeitung steht es gut, am Puls der Leserschaft zu sein, solche Schwingungen aufzugreifen und zu thematisieren. Gerade in Maintal findet das jedoch nahezu nicht mehr statt, seitdem der Maintal TAGESANZEIGER vom Hanauer Anzeiger aufgesaugt wurde. Ein gutes Beispiel ist die diesjährige Berichterstattung über das Maintaler Fastnachtsgeschehen, bei dem sich für einige Vereine die Hauptaktivität des Jahres mit großem Zuschauerzuspruch entfaltet. Aber auch weite andere Bereiche liegen im Wahrnehmungsschatten der Redaktion mit Minimalbesetzung. Die Wertigkeit bekommt dadurch rein kommerzielle Züge und die einzig richtige Reaktion darauf ist die Kündigung des Zeitungsabonnements, wenn sich damit massive Betroffenheit einstellt.

 

Blutleere Auftragsschreiberei

 

Der Wunsch engagierter Redakteure ist es, über interessant empfundene Themen zu recherchieren, eine  eigene Meinung und Einstellung zu formen und darüber zu berichten. Treffen Reakteure damit die Empfindungen und das Interesse der Leserschaft, gehen sie die Themen immer engagierter an und die Zeitung, für die sie tätig sind, gewinnt an Interesse. Leistung generiert sich über Freude und Anerkennung. Wer nur Nachrichten aneinander reiht und sie blutleer abhandelt, verliert auch als Redakteuer seine Bedeutung. Leider scheint der unternehmerische Teil mancher Zeitungen das zu ignorieren. So mutieren ihre Produkte zum Substrat für das Generieren von Werbeumsätzen.

 

Genau in diese Lücke stößt immer stärker die Öffentlichkeitsarbeit. Es werden Artikel geschrieben, die den Anschein erwecken, aus allgemeinem Interesse professionell recherchiert zu sein. Es wird zur Tarnung sogar in wörtlicher Rede zitiert, obwohl nie ein echtes Interview stattfand. Dabei wird nur Licht verwendet und Schattenseiten werden ausgeblendet. Anzeigenpostillen bieten dafür vierfarbige Präsentationsmöglichkeiten an, ohne eine eigene Redaktion zu beschäftigen. Wegen der oft sehr hohen Auflage der kostenlosen Wochenzeitungen ist die Hemmschwelle der Nutzung sehr niedrig. Es wird allerdings sehr oft vergessen, dass die meisten dieser Zeitungen direkt in die Papiertonne wandern, wo sie meiner Meinung nach auch hin gehören.

 

Engagiertes Infotainment

 

Ein deutlicher Kontrast zu kommerziellen Printmedien bildet in Maintal ausgerechnet ein ehrenamtlich erstelltes Druckwerk, das allerdings nur vierteljährlich erscheint - die Maintaler Seniorenzeitung 60 AUFWÄRTS. Sie ist in vielen Haushalten immer noch präsent, wenn viele Tageszeitungen bereits längst in der Tonne liegen. Doch was ist so anders an dieser Zeitung? Die Artikel sind mit Herzblut geschrieben und zeigen den Mut, sich zu positionieren. Dabei werden alle Seiten einer Medaille beleuchtet, was natürlich auch zu Kritik führt, die Maintals Bürger sonst in nahezu keiner anderen Weise zu lesen bekommen.

 

Das Gestaltungselement "Infotainment" nutzt Emotionen, um Aufmerksamkeit zu erzeugen, ohne die Sachlichkeit aus dem Auge zu verlieren. Es ist die interessante Aufmachung, die zum Lesen animiert. Gerade die typischen "Querleser", die nach dem Lesen einer Überschrift bereits wissen, was sie im Artikel erwartet, reagieren erwartungsgemäß. Infotainment ist ohne Satire undenkbar, was der Zeitung eine weitere Note gibt. Sachverhalte werden  nicht weichgespült und allgemeinverträglich skizziert, sondern sie erhalten durch Infotainment Tiefe. Genau das fehlt unserer Lokalzeitung, die einst mit der "Spitzmaus" recht pfiffig agierte. Die Lokalzeitung ohne Lokales - aber mit einer Unmenge Papier - wer will denn sowas?!

 

20.02.2018






Nicht vergleichbar

 

Auch wenn beide Druckwerke im Grund genommen nicht vergleichbar sind, so werden sie von den Lesern doch als lokale Zeitungen empfunden und bewertet. Eine Zeitung lebt auf lokaler Ebene vom lokalen Bezug. Als Redakteur muss man Maintal erleben und fühlen und Teil des täglichen Lebens sein. Viele Jahrzehnte war die Zeitung in Maintal für jeden Bürger greifbar. Die Redaktion war ein beliebter Anlaufpunkt, wodurch sie stets auf dem laufenden war. Das ging restlos verloren. Was man heute als Druckwerk in Händen hält, deckt einen weiten Einzugsbereich ab, lokale Themen muss man mühsam suchen. Hat man sie gefunden, besteht die Hälfte aus der Feder von Personen, die nicht der Redaktion angehören. Einige der Artikel finden sich parallel in kostenlosen Wochenzeitungen und Werbepostillen wieder, was einen papageienhaften Effekt vermittelt. Lesespaß in Maintal? - Absolute Mangelware!

 

Nun wird in nebenstehendem Artikel die Maintaler Seniorenzeitung lobend erwähnt, obwohl sie in vielen Dingen absolut nicht vergleichbar ist. Dennoch ist der Vergleich interessant, wenn es um den Lesespaß geht. Dieser wird erzeugt, weil die Redakteure freier und emotionaler aufspielen können. Sie nutzen Gestaltungselemente, die in normalen Zeitungen infolge der Versachlichung nahezu verkümmert sind. So entstehen dort blutleere Situationsdarstellungen, die jede Wertung vermissen lassen. Mit der Seniorenzeitung können viele Leser jedoch ihren Blutdruck einstellen, weil sie emotional berührt werden. Das macht offensichtlich den Erfolg aus.

 

Klaus Klee

 

Think big ala SPD

Es gibt da so einen Witz, bei dem jede Frage, die gestellt wird, immer beim selben Thema landet, weil die Person wirklich nur bei einem Thema kompetent ist. So scheint das auch bei Martin Schulz, dem verglühten Hoffnungsträger der SPD zu sein. Immer wenn er anfing, groß zu denken, landete er bei der EU, seinem Spezialgebiet. Nachdem er in der Bundespolitik chancenlos war und nach Brüssel ging, profilierte er sich und seine Partei holte ihn zurück, als sie sich der Wahrnehmungsgrenze näherte. Als Messias kam er mit all seinen EU-Meriten im Gepäck von dort zurück, und verbreitete in der SPD und der Wählerschaft Hoffnung. Was er mit seinen großen Gedanken infrage stellte, war jedoch das tägliche Brot der erfolglosen Politiker, mit dem sie ihre Funktionen ausfüllen. Das deklassierte sie. Die SPD müsse sich erneuern, wieder profilieren und klar vom politischen Gegner abgrenzen, war die Botschaft, die die Basis entzückte. Im Hintergrund stand bei ihm jedoch auch die Verquickung der deutschen mit der Europapolitik. Die SPD wäre besser beraten gewesen, wenn sie sich an die Spitze der Bewahrer der Demokratie gesetzt und damit in den Köpfen wieder die Erinnerung geschärft hätte, wer in der deutschen Geschichte nie den demokratischen Pfad verließ. Europa als Wärmepflaster für Frieden und freien Handel heilt nicht die deutschen Beschwerden. Obwohl die Mehrheit der Wähler nur allzu genau die Gefahren von Rechts sieht, die auf unsere Demokratie zukommen, schwächten sie bei der Wahl die großen Volksparteien. Nun scheint Deutschland einen Träumer verloren, aber eine Chance zur traumfreien Erneuerung in der Politik gewonnen zu haben, wenn man die richtigen Schlüsse zieht. Man wird sehen, ob das funktioniert.

 

Olaf Scholz und die rote Null

 

Einer der Nutznießer des Aufgebens von Martin Schulz ist Olaf Scholz. Raffiniert und lautlos zog er die Strippen und bereitete mit Andrea Nahles das politische Aus des Martin Schulz vor. Den Parteivorsitz für den Eintritt ins Kabinett zu opfern, war für Schulz Grundbedingung der Genossen. Als die Rochade vollzogen war, musste Schulz nur noch aus dem designierten Kabinett entfernt werden, um vollends zwischen allen Stühlen zu sitzen. Das ließ sich wiederum Sigmar Gabriel nicht nehmen und Ralf Stegner zeigte im Nachhinein, wo auch er steht. Schnell projiziert Scholz in wichtigtuerischer Manier die schwarze Null als von Schäuble übernommene Marschrichtung, obwohl für die Sozialdemokratie und eine soziale Politik eine rote Null (im Haushalt, nicht als Finanzminister) sinnvoller wäre. Das Gespann der dreisten vorlauten Vorsitzenden und des wadenbeißenden Leisetreters als Vize" wird zukünftig die SPD-Basis genausowenig begeistern, wie die noch verbliebenen SPD-Wähler. Format sieht irgendwie anders aus. Wer kann sich schon  mit dem Wesen der Letztgenannten identifizieren?!

 

Großes Denken sieht anders aus

 

Was kann nach Schulz jetzt kommen? Sigmar Gabriel mogelte sich in der Beliebtheit an allen Poltikern vorbei und nimmt vorderste Plätze ein. Das kann jedoch nicht übertünchen, dass er vor einem Jahr kraftlos resignierte und eine Auszeit mit Reisetätigkeit nahm, um sich wieder zu fangen. Auf dem Höhepunkt der jetzigen Schulz-Intrige zog er eigene Befindlichkeiten dem Vertreten deutscher Interessen vor und sagte die Teilnahme an einer wichtigen internationalen Konferenz ab, um nach dem Rückzug seines designierten Nachfolgers sofort wieder zur Verfügung zu stehen. Das kann man in der Provinz machen, aber nicht in Berlin. Ich möchte nur allzu gern wissen, was Frank-Walter Steinmeier darüber denkt.

 

Die SPD beschädigte mit dem Abservieren des Martin Schulz die Identifikation mit einem Teil ihrer Wählerschaft, für die Schulz stand. Das ist der Mittelstand ohne Abitur, jedoch mit Talent und Können, sowie dem Willen, sich in unserer Welt durchzubeißen, sowie mit Menschen, die sich bewähren und optimistisch für Andere Verantwortung übernehmen. Das wird sich rächen.

 

Sollte es nach dem NEIN der SPD-Basis zu einer wie auch immer zusammengewüfelten Minderheitenregierung kommen, diese abgewählt werden und Neuwahlen bevor stehen, wäre ein SPD-Ergebnis unter 17% durchaus realistisch, denn die Zeit für eine wirkliche Erneuerung wurde in den letzten Monaten mit Machtspielchen verplempert. Nun kann sich die SPD in der Wählergunst erst wieder in 5-6 Jahren erholen.

 

11.02.2018









Wesensprüfung für Politiker

 

Da wurstelt sich die SPD in einer großen Koalition an den politischen Abgrund, wie zuvor die FDP, zeigt eklatante Führungsschwächen, holte einen zuvor stiefmütterlich behandelten Genossen als Heilsbringer nach Hause, der sich ersatzweise in Brüssel profiliert hatte, rollte ihm den Teppich aus und legte ihm alle Ämter zu Füßen, um ihn nach einer verkorksten Wahl Zug um Zug zu demontieren. Wie irre ist das denn?

 

All die schlauen Wahlkampfstrategen hätten doch wissen müssen, dass man sein Pulver nicht zu früh verschießt. Man trieb ihn jedoch in eine Kampagne, die vor ihm kein anderer Politiker abspulte. Ehe der eigentliche Wahlkampf richtig anfing, hatte er sein Pulver bereits verschossen. Zuletzt ging es nur noch darum, einen noch tieferen Absturz zu verhindern, als er vor der Ära Schulz drohte. Mit dem Ergebnis konnte die SPD dennoch zufrieden sein, denn momentan geht es in Richtung 15%.

 

Das größte Problem der SPD ist jetzt deren Glaubwürdigkeit. Danach folgt der Eindruck, dass es in der SPD keinen Politiker gibt, der mit Leidenschaft und Überzeugung sozialdemokratische Werte aufrichtig vermittelt. Der Wähler sieht nur eine austauschbare Politiker-Mischpoke, die an ihren Karrieren arbeitet. Menschen wie Schulz, der eine Vita besitzt, die sich deutlich von borniertem aalglattem Politiker-Gesocks absetzt, werden als Politiker und auch als Wähler zum Spielball der Interessen, wie Schulz.

 

Der Rat eines Gärtners wäre nun:

Umgraben, kräftig jäten und alles Unkraut beseitigen, behutsam den Boden neu bereiten und kräftige bodenständige Pflanzen setzen, mit denen jeder etwas anfangen kann. Was das in der Politik heißt, kann man leicht übersetzen. Zusätzlich müssen für all die Schnecken, Wühlmäuse und Schädlinge, die längst lokalisiert sind, neue Aufgaben gefunden werden. Es ist besser, sie wandern schon jetzt und nicht erst später dorthin ab, wofür sie Lobbyarbeit leisten oder worauf sie heute schon als Zubrot zu ihrer erworbenen Alterssicherung hinarbeiten. An ihre Stelle sollten Menschen treten, die ethisch und moralisch gefestigt sind und das ganze Volk aufrichtig vertreten können. Solche Menschen gibt es mit jedem Bildungsstand und nicht nur in Eliten. Man sollte sie alle jedoch einer Wesensprüfung unterziehen. Dann klappt es auch wieder mit der Politik und den Wählern.

 

Klaus Klee


Ausgelebte Wissensdefizite

Tagtäglich wird jeder, der in heterogenen Gemeinschaften lebt, mit ausgelebten Wissensdefiziten konfrontiert. Mit Borniertheit und Arroganz vorgetragen ist diese Variante der Dummheit besonders aggressiv. Etwas erträglicher kann dies werden, wenn Lebenspartner solche Wissensdefizite ausgleichen. Das ist aber nur möglich, wenn in Partnerschaften wirklich ein Wissengefälle existiert und der Partner sich traut, den Auswirkungen der Defizite zu begegnen. Leider ist das selten der Fall, wodurch für Umstehende der Eindruck entsteht, dass beide Partner gleichermaßen gebildet und intelligent seien.

 

Nun ist es Fakt, dass Menschen in dieser Beziehung niemals gleich sein können, weil ihr Leben völlig unterschiedlich verlief. Einer muss doch über dem Anderen stehen. Doch, warum hilft man sich nicht gegenseitig? Weil vom Dümmeren oft urwüchsige Gewalt ausgeht und es ihm einfach an Substanz feht, Argumenten zu folgen. Sind sich Personen allerdings relativ gleich, spricht man von geballter einfältiger Macht. Weiten solche Personen ihren Einflussbereich deutlich aus und bilden gleichgeartete Seilschaften, kann eine Gemeinschaft mit krassen Verhaltensweisen rechnen, denen man mit allen Mitteln begegnen muss. Hier ist jedoch meist festzustellen, dass naive Allianzen ihre Reihen mit trotzigen Reaktionen fest geschlossen halten, wenn Dritte versuchen, deren Wesensdefizite auszugleichen.

 

Beispiel zur Verdeutlichung

 

In vielen Wohnanlagen ist die Schimmelbildung im Mauerwerk ein großes Problem, dem nur mit Heizen und Lüften begegnet werden kann. In kälteren Räumen kondensiert Luftfeuchtigkeit nämlich aus und schlägt sich an den kältesten Flächen nieder. Dort sind sie eine Brutstätte für Schimmelpilze. Besonders an sogenannten Kältebrücken ist das der Fall, die sich bedingt durch die Bauweise ergeben. Hier sind sogar spezielle Dämmmaßnahmen erforderlich. Dieses Wissen ist bei entsprechender Bildung präsent und auch verständlich und kann durch Lernprozesse verbessert werden. Werden solche Lernprozesse von Dritten angestoßen, hängt der Erfolg sehr von Wesenszügen der Belehrten ab.

 

Besonders gravierend wirkt sich Feuchtigkeit in Kellerräumen aus. Wenn Fenster permanent geöffnet oder gekippt sind, spielt der Taupunkt eine große Rolle. Das ist im Sommer besonders gravierend, was vielen Menschen nicht sofort einleuchtet, weil es draußen warm ist. Genau diese warme und meist feuchtere Luft strömt in den Keller ein und die Feuchtigkeit kondensiert. Trockenräume im Keller reichern ihre Luft auch noch durch nasse Wäsche und die Restfeuchte der Waschmaschinen an. Beides ergibt eine brisante Mischung, der begegnet werden muss.

 

Solche Räume müssen bei Nutzung beheizt (15 bis 20°C) und stoßgelüftet werden. Im Sommer sollte eine Querlüftung - vorzugsweise in den Nachtstunden mit niedrigerer Außentemperatur - erfolgen. All das steuern spezielle Belüftungsanlagen mit voreingestellten Programmen. Im Grund gemommen kommt dabei aber nur gesunder Menschenverstand zum Einsatz, der auch von Benutzern der Räume verantwortungsvoll selbst angewandt werden kann. Dazu ist jedoch erforderlich, dass man weiß, was Sache ist. Folgende Artikel im Internet klären auf:

 

Artikel der Firma Henkel (Waschmittelfirma)

Artikel Heim & Garten

Artikel Luftfeuchtigkeit und Raumklima

 

Hier sollte das Begriffene in intelligente Handlungen münden, besonders, wenn das Wasser bereits an den Wänden herunterläuft und die Kellerfenster beschlagen sind. Das Gleiche gilt natürlich für Wohnbereiche.

 

Opportunismus ist der Freund der Dummheit

 

Menschen, die sich dagegen sträuben, Wissensdefizite zu schließen, betreiben leider sehr oft puren Opportunismus, weil sie sich belehrt fühlen. Einer muss es ihnen aber sagen, wenn das Leben einer großen Gemeinschaft funktionieren soll. Leider mangelt es den aufklärenden Personen oft an Unterstützung, weil die meisten Mitbewohner Ärger aus dem Weg gehen wollen. Zivilcourage ist gefragt!

 

02.02.2018

 







Von erfahrenen Hausfrauen lernen

 

Die Sache mit dem Trocknen von Wäsche und der Nutzung von Gemeinschaftsräumen zum Zweck des Waschens und Trocknens führt in Hausgemeinschaften immer wieder zu großem Verdruss. Deshalb ist zumindest geregelt, wer wann und wie lang die Räume nutzen darf. In einigen Hausgemeinschaften ist dies völlig offen und die Nutzer tragen sich selbst in Listen oder Kalender ein. Alle Anderen verlassen sich darauf, dass die Räume an den restlichen Tagen frei sind. Genau das sind sie meistens jedoch nicht. Entweder hängt noch tagelang eine brottrockene Wäsche oder sie ist immer noch feucht.

 

Die Gründe für schlechtes Trocknen sind vielfältig, weil zum Beispiel

  • falsch geheizt und gelüftet wird, wie neben beschrieben,

  • keine Wäscheklammern benutzt werden und die Wäsche nur über die Leine geworfen wird, wodurch die Durchlüftung stockt,

  • oder auf gleiche Weise sogar auf Trockengestellen in niedriger Höhe getrocknet und

  • aus außer Betrieb befindlichen Maschinen Feuchtigkeit entweicht und die Luft anreichert.

Noch doller wird es, wenn im Waschraum tagelang in mehreren Behältern Schmutzwäsche gesammelt und wird, irre Mengen von Waschmittel und Weichspülern herumstehen und Maschinen für Gefahr sorgen, deren Wasch- oder Trockenprogramme stundenlang in dieser Atmosphäre auf Standby, also unter Strom stehen. Im schlimmsten Fall wird durch Feuchtigkeit und bei einem Brand elektrischer Geräte sogar die Bausubstanz angegriffen.

 

Das erregt besonders intelligente Hausfrauen und -männer, die das richtige Verhalten von ihren Eltern, vornehmlich von erfahrenen Hausfrauen lernten oder die über eine ausreichende Allgemeinbildung verfügen. Doch diese Lernprozesse scheinen vielfach nicht mehr stattzufinden. So sind auch hier ausgelebte Wissensdefizite der Grund für permanenten Ärger und Verdruss. Hier sind erfahrene Verwaltungsbeiräte und die Hausverwaltung in der Pflicht und aufgefordert, die Missstände zu beseitigen.

 

Klaus Klee

 

Wenn Nichts alles ist  

 

Irgendwann kommt jeder Mensch mal an einen Punkt, an dem er das Gefühl hat, dass alles um ihn  herum inzwischen nichts mehr ist. Das ist umso gravierender, wenn ihm bewusst wird, dass dieses Nichts alles ist, was sein Leben noch ausmacht. Vielfach tritt das am Ende einer Kette von nicht eingetroffenen Erwartungen ein, wenn die letzte Hoffnung die ist, es möge hoffentlich nicht mehr schlimmer kommen. Doch meistens kommt es noch schlimmer, wenn man selbst nichts verändert. Also greifen immer wieder Zäsuren, die weittragende Folgen haben können. Selten wird beachtet, dass Fehleinschätzungen die häufigste Ursache ist. Liegt es nun am ungebremsten Optimismus oder dass man von sich auf Andere schließt? Spätestens hier reift die Erkenntnis, welch große Unterschiede zwischen Menschen bestehen und dass die eigenen Erwartungen zu hoch sind. Das gilt übrigens im Guten, wie im Bösen. Wenn man unterstellt, der Andere würde sich genauso verhalten, wie man selbst in vergleichbarer Situation, ist Enttäuschung vorprogrammiert - in der Negativspirale jedoch geringer als im Positiven.  

 

Die Sache mit den Erwartungen  

 

Erwartungen sind an deren Erfüllung geknüpft. Also sollten Erwartungen nicht vorschnell geweckt werden. Vielfach ist jedoch der Wunsch der Vater des Gedankens und nur dessen Nutzen steht im Fokus. Das ist der Grund, warum meistens nur das eintritt, was der Gedankengeber selbst umsetzt. Er kennt das Ziel und den Weg dorthin. Nun liegt es an der insgesamt generierten Kraft, dieses Ziel auch zu erreichen. Umso größer das Ziel ist, desto mehr Mitstreiter oder helfende Hände sind vom Erfolg einer Sache abhängig. Hier liegt das Problem. Viele mehrspännige Kutschen werden von nur einem oder zwei Leistungsträgern gezogen, der Rest läuft lose im Geschirr mit. Umso ungeschickter der Kutscher ist, desto mehr muss das Leittier sogar die Richtung bestimmen, um am Ziel anzukommen. Der Rest des Gespanns kommt nur an, weil er fest im Geschirr verankert ist. Fällt das Leittier aus, sind die Erwartung aller Beteiligten dahin. Spätestens hier schlägt Murphys Gesetz wieder mal gnadenlos zu.

 

Hoffnung als Führungsinstrument  

 

Problemverursacher und Problemlöser werden immer wieder stärker von Hoffnungen als von Fakten geleitet, denn auch hier schließen sie stets von sich auf Andere. Je höher die eigenen Ansprüche sind, umso weniger Mitbeteiligte können sie erfüllen. Nun ist man ja bestrebt, sich vorwiegend in adäquaten Personenkreisen zu bewegen. Das gelingt jedoch nicht immer. Neue Personen schaffen sehr oft neue Probleme. Es ist nun eine Frage der inneren Einstellung, was die Konsequenz aus den sich verändernden Situationen ist. Ein Downsizing reißt aufgebaute Niveaustufen ein und zu weiterem Empowerment muss man bereit sein. Wer bei dieser Betrachtung Hoffnung einsetzt, ist sehr schlecht beraten. Man muss die Substanz ergründen, die in einem neuen Weg steckt und prüfen, wer diesen Weg wirklich mitgehen kann. Senden Personen leicht erkennbare, aber falsche Signale aus, ist das bereits ein Grund, Hoffnung auszuschließen. Nichts bestätigt sich langfristig mehr, als der erste Eindruck. Deshalb ist es ratsam, auch selbst nicht beim ersten Eindruck zu überziehen. Man weckt bei anderen damit Hoffnungen, die man nicht halten kann.  

 

Eigennutz als Triebfeder  

 

Gerade im Bereich der ehrenamtlichen Betätigung, bei der man Funktionen und sehr oft auch Pflichten mit Verantwortung übernimmt, ist Eigennutz im Sinne der Gemeinschaft eine gefährliche Motivation. Erkennt eine Gemeinschaft die Fehlbesetzung, sind die Tage ehrenamtlicher Betätigung gezählt. Vielfach besteht der Eigennutz in der Suche nach Geltung, nach Aufmerksamkeit, nach gefühlter Wichtigkeit. In manchen Fällen ist sogar ein klarer materieller Nutzen erkennbar. Für selbstlos ehrenamtlich Aktive ist das ein Greuel und sie lehnen diese Spezies ab. Das geht sogar so weit, dass sie eine Zusammenarbeit aufkündigen, um nicht im gleichen Boot sitzen zu müssen.

 

Zieht man bei solchen Personen den Eigennutz von echten Aktivitäten ab, bleibt meist nichts mehr übrig. Noch schlimmer ist es, wenn das Nichts alles ist, was solche Personen zu bieten haben. Grotesk ist, wenn diese Personen ihr Nichts auch noch wie eine Auszeichnung zur Schau tragen. Es kommt ihnen gar nicht in den Sinn, nach ihrem persönlichen Anteil am Erfolg zu fragen. Den haben sie sich ihrer Meinung nach bereits durch ihre Teilnahme gesichert. Man muss auch "Nichts" mit Würde tun können!

 

Die Welt, in der wir leben, hat viele Facetten. Es ist manchmal besser, man kennt sie nicht alle.

 

21.01.2018

 






Karikatur:  Kurt Halbritter

                                        Gefühlte Wichtigkeit

 

Ehrungen sind der Ausdruck gefühlter Wichtigkeit. Man kann für eine Einzelleistung oder für eine Gruppenleistung geehrt werden. In einem Auswahlverfahren wird festgelegt, wer und was etwas ist und wer oder was alles "nichts" ist. Die zu ehrenden Personen stehen dabei oft bildlich nackt vor einer Jury und werden zu Besonderheiten ihrer Aktivität gar nicht befragt. Der Eindruck, den die Juroren - informiert oder weniger informiert -  bisher gewannen, wird mit einer allumfassenden Messlatte verglichen, auf die sich die Jury verlässt. Sie verlässt sich da ganz auf ihre gefühlte Kompetenz, die in einigen Fällen allein schon preisverdächtig ist.

 

Große Chancen auf eine Auszeichnung haben Aktivitäten, die alles, nur nicht "nichts" sind, scheint die Devise zu sein. Auf keinen Fall jedoch Dinge, die nicht alles gleichzeitig sind. Für negativ Betroffene ist die Erkenntnis, dass angeblich alles was sie tun "nichts" ist, etwas, was viel mehr als "nichts" ist.

 

Preisgewinner dagegen schwelgen bei der Preisverleihung in ihrer gefühlten Wichtigkeit, weil sie wissen, dass sie aus der Masse hervor stechen, deren Aktivitäten angeblich alle "nichts" sind. Umso höher deren Leistungen waren, deso mehr kann dieses "Nichts" der Durchgefallenen als Ehre für die Sieger gelten. Manche Beiwohner von Ehrungen wollen nun wissen, was das "Nichts" oder "nicht genug" des Restes für eine Auszeichnung war und sehen sich die ausgestellte Präsentationen der Verlierer an. Spätestens hier beginnt auch für die Preisträger die Entehrung, weil sich deren Leistungen wieder relativieren. Aus Rücksicht auf die Geehrten sollte man sich deshalb der Präsentation verweigern.

 

Im Ehrenamt scheint die gefühlte Wichtigkeit eine sehr große Rolle für diejenigen zu spielen. So bewerben sich Ehrungshungrige regelrecht um eine Ehrung. Man nennt das "Anerkennungskultur" - eine Missgeburt unserer Zeit, wenn sie falsch angewandt wird.

 

Klaus Klee

 

 

Seniorenzeitung in Turbulenzen

Ab heute ist die erste Ausgabe 2018 der Maintaler Seniorenzeítung erhältlich, die kostenlos an vielen Stellen Maintals ausliegt. Sie kommt mit einem neuen Titelblatt daher, an das sich die Leserschaft erst gewöhnen muss. Dieses Titelblatt zeigt, dass Senioren nicht ganz so statisch denken, wie man ihnen das gern unterstellt. Auch Senioren gehen mit der Zeit, denn sie müssen im doppelten Sinn mit der Zeit gehen. Bis es aber soweit ist, ist es gut, dem Zeitgeist ein wenig zu folgen. So frischte die Redaktion den Look ihrer Zeitung auf, um auch zukünftige Senioren zeitgemäßer anzusprechen.

 

Wer die Entwicklung der Maintaler Seniorenzeitung mitverfolgte und sich bewusst macht, dass damit inzwischen ca. 3000 Haushalte erreicht werden, erkennt in der lokalen Pressewelt den Stellenwert der Zeitung. Dem muss die kleine Redaktion natürlich gerecht werden, um ihrer erarbeiteten Reputation zu entsprechen. Das erfordert eine engagierte, fleißige und qualifizierte Mitarbeit und ein harmonisches Umfeld innerhalb der Redaktion. Als Redakteur muss man sich wohl fühlen, um daraus Energie und Motivation zu schöpfen. Wenn dies fehlt oder abnimmt, leidet die Bindung an das Ehrenamt.

 

Typisch für selbstlose Ehrenamtliche ist es, dass sie selbst die höchsten Ansprüche an ihr Wirken stellen und die Freude über das Gelingen als einzigen Gegenwert akzeptieren. Geht die Freude verloren, so ist das Ende der Aktivität nah.

 

Können, aber nicht müssen

 

Wenn man über Jahre hinweg für eine Aktivität einen attraktiven Stellenwert erarbeitet und damit ganz wesentlich das Ansehen Maintals steigert, so ist eine solche Aktivität etwas Besonderes. Würden bezahlte Kräfte diese Leistung zu erbringen haben, käme ein nettes Sümmchen zusammen, zumal die Zeitung kostenlos abgegeben wird. Die Druckkosten werden durch Einnahmen für Anzeigen gedeckt. Das druckreife Laout für 40 Seiten wird seit über 10 Jahren ehrenamlich erstellt. Anzeigenkunden und ehrenamtliche Redakteure ermöglichen Maintal, eine in der Region geschätzte Seniorenzeitung herauszugeben.

 

Genau diese Anzeigenkunden und die Redakteure haben eines gemeinsam - sie können diese Leistung erbringen, sie müssen das aber nicht. Die Redaktion hat seit einigen Monaten die natürliche Fluktuation auszugleichen. Sie, sowie die Maintaler Freiwilligenagentur werben um neue ehrenamtliche Redakteure. Auf dieser Website warb ich ebenfalls mehrmals um neue Kräfte, wobei die Betonung auf "Kraft" liegt.

 

Was sich bisher meldete, kann jedoch leider noch nicht als Verstärkung angesehen werden. Bei einigen Bewerbern war das Interesse stärker, als das, was diese zu leisten imstande oder gewillt waren. Bei anderen blieb völlig unklar, was von ihnen wirklich angestrebt wird. Natürlich bietet die Seniorenzeitung auch eine attraktive Plattform für bereits mehrfach publizierte Artikel als weitere Möglichkeit zur Veröffentlichung. Was angeboten wird, ist allerdings nicht neu und nicht speziell auf die Seniorenzeitung zugeschnitten. Natürlich kann man alten Wein in neue Flaschen umfüllen. Das allein ist jedoch noch nicht der gewünschte Anspruch, den die Redaktion stellt. Da muss schon mehr kommen.

 

Die Basis der Seniorenzeitung wankt

 

So toll die Zeitung zum Jahresanfang daher kommt, der innere Zustand ist es momentan leider nicht. Inzwischen spitzt sich die Situation sogar zu, denn ich werde nur noch die 2. Ausgabe des Jahres 2018 mitgestalten und mich dann zurückziehen, weil mir die bisherige Freude abhanden kam. Dabei ist eigentlich die Hauptarbeit - das Layout der Zeitung - inzwischen in besten Händen und es geht nun nur um den Inhalt der Zeitung. Dafür braucht man eine ausgewogene Mischung des Lesestoffs. Da interessante Themen stets eine kritische Note haben, sind unterhaltende Artikel der Zucker, auf dem bittere Tropfen verträglich genommen werden. Das muss man als Redaktueur begreifen und spüren, wenn man erfolgreich gestalten will. Überlässt man das Mix und die Aufmachung dem Zufall und reduzieren sich zusätzlich anregende Themen, gerät die bisherige Erfolgsbasis ins Wanken.

 

Kompetenz ist  ohne Interesse und Engagement wertlos

 

Für die Redaktion ist es schwer, mit demonstrierter Kompetenz umzugehen, obwohl genau diese gesucht wird. Mal angenommen, bei der Redaktion würde sich eine im Ruhestand befindliche Person melden, die zwar kein starkes Interesse zur tatkräftigen Mitarbeit hat, die aber dennoch der Stellenwert der Zeitung in der öffentlichen Wahrnehmung reizt. Man würde sich auf die Signale konzentrieren, die eine zukünftige Verstärkung signalisieren. Wenn jetzt aber nur Kompetenz in den höchsten Tönen zelebriert wird, um zu beeindrucken, ohne jedoch echtes Engagement zu zeigen, so geht das in die falsche Richtung. Gipfelt das Verhalten auch noch in pseudofachliche Kritik am bisherigen Produkt oder der Arbeitsweise, ohne dies mit eigenen Leistungen im gleichen Metier eindrucksvoll untermauern zu können, fällt das Urteil nicht ermutigend aus.

 

Würde die bereits im Ruhestand befindliche Person sogar Anzeichen übersteigerter gefühlter Wichtigkeit wegen einer vertrieblichen Aktivität zeigen, mit der eigene literarische Werke mangels Interesse namhafter Verlage vertrieben werden und würde dies deutlich über allen anderen Aktivitäten stehen, so wäre die Bewerbung eigentlich "für die Katz".

 

So gesehen kann mit einiger Spannung verfolgt werden, wie die Sache ausgeht. Die Redaktion wartet immer noch auf die passende Verstärkung. Kommt sie nicht, wird sich die Seniorenzeitung gewaltig verändern.

 

11.01.2018








  Infotainment versus
weichgespülte Information
 
 

 

Angeblich seriöse öffentliche Information ist heute vornehmlich von langweiliger Versachlichung und weichgespülten Inhalten geprägt. Die Bemühung, absolut seriös daher zu kommen, geht zu Lasten des Lesespaßes und des Interesses an den Themen, manchmal auch zu Lasten der Wahrheit. Das gilt natürlich auch für Informationen an Senioren. Aus diesem Grund setzte ich bisher in der Seniorenzeitung auf klare Worte und Infotainment, wie ich es auch auf dieser Homepage praktiziere, allerdings in einer sanfteren Version. Damit hatten wir großen Erfolg.

 

Wie ich an anderer Stelle bereits ausführte, ist dieses Infotainment die unterhaltende Variante der Information. Um den Unterschied zur versachlichten Information zu erklären, bringe ich gern das Beispiel mit den 10 Geboten. Diese kann man in gängiger Listenschreibweise präsentieren, um ohne Schnörkel den Ernst und deren Bedeutung für sich sprechen zu lassen. Mit Infotainment gepaart würde man sie auf Tafeln geschrieben durch einen brennenden Rosenbusch reichen. Der Inhalt ist der gleiche, nur die Aufmerksamkeit um ein Vielfaches größer.

 

Satire ist hervorragend geeignet, Sachverhalte überzeichnet zu erörtern und die Aufmerksamkeit für die damit verbundene Botschaft zu steigern. In der Satire kann man sich als Leser vor Anderen unbemerkt selbst erkennen und sich in Anwesenheit anderer Personen von der Situation echauffiert distanzieren, wenn man zukünftig sein Verhalten ändern will. Dieser Reiz wird als angenehmer empfunden, als wenn Ross und Reiter genannt und für Vergangenes gerügt würden.

 

Eine unglaublich unaufrichtige Art des Artikelschreibens ist die Präsentation einseitiger Sichten, die fast jeder Leser sofort erkennt. Dabei muss garnicht gelogen werden, es genügt bereits, alle kritischen Aspekte zu verschweigen. Diese Art des Schreiben zielt auf völlig uninformierte Leser ab. Aus der Feder eines Redakteurs würde ein solcher Text niemals stammen. Solche Artikel werden meistens als Pressemitteilungen in Artikelmanier abgesetzt, die möglichst unverändert abgedruckt werden sollen. Sie sollten von Redakteuren unter die Lupe genommen und mit einem relativierenden Kommentar versehen werden. Das erfordert jedoch zusätzliche Recherchen. Ein solch weichgespülter und eigentlich nicht aufrichtiger Artikel ist leider in der aktuellen Ausgabe enthalten, wurde jedoch auf Ersuchen nicht mit einem relativierenden Kommentar versehen. Das bleibt hoffentlich eine Ausnahme. Die Frankfurter Rundschau relativierte die geschönte Information zum Thema.

 

Wer nun glaubt, nur gestandene professionelle Redakteure würden so empfinden, der irrt. Auch im ehrenamtlichen Bereich gilt es als unehrenhaft, Lesern solche Botschaften zuzumuten. Anstelle einer schleimigen Versachlichung kann ein Redakteur geeignete Ausdrucksmittel einsetzen, wie z.B. die Satire, um zuvor bereits mehrfach publizierte Artikel dieser Art ins rechte Licht zu rücken. Das wird in einem meiner letzten Artikel für die Maintaler Seniorenzeitung noch einmal recht deutlich geschehen. Versprochen!

 

Klaus Klee

 

 

Die Kehrseite der Medaille  

 

Medaillen sind neben Pokalen die gängigste materielle Form einer Ehrung. Große Sportler sammeln Medaillen am Fließband und wir freuen uns über ihren Erfolg. Ihre Leistung wird miterlebt und ihre Siege sind greifbar. Es ist auch immer spannend, knappe Entscheidungen mitzuerleben. Etwas anders sieht es aus, wenn eine Jury nach eigenem Empfinden Sieger auswählt. Hier bleibt immer ein Beigeschmack, oftmals gar Frustration. Die Aufgabe einer Ehrung kann nur einigermaßen zufriedenstellend gelöst werden, wenn man unterschiedliche Disziplinen einrichtet und mit fachkundigen Juroren besetzt, die auf eigene Leistungen auf gleichem Gebiet zurückblicken können. Doch auch dann gehen die Meinungen über Entscheidungen immer wieder auseinander. Das liegt an den unterschiedlichen Maßstäben, die angelegt werden. Heftig fallen manchmal Urteile von Geehrten aus, wenn sie ihre Leistung mit denen anderer Preisträger vergleichen. Extrem negativ können sich Kandidaten betroffen fühlen, die bei der Jury durchfielen, weil sie mit Äpfeln und Birnen verglichen und dadurch zu Pflaumen wurden.  

 

Provozierte Kollateralschäden  

 

Ehrungen können auch nach hinten losgehen, das muss jeder Bewerber für eine Ehrung bedenken. Wer sich präsentiert, weil er oder sie glauben, ehrungswürdige Leistungen zu vollbringen, muss hinnehmen, dass Andere das nicht so sehen. Sind Leistungen nur im Kollektiv möglich, sollten alle Beteiligten eine Teilnahme wollen, weil alle gemeinsam die Auswirkungen feiern können oder ertragen müssen. Wirklich selbstlose ehrenamtlich Aktive wollen keine Ehrung, bestenfalls eine stille Würdigung oder Wertschätzung. Da ihre Leistungen aus einem tiefen inneren Bedürfnis heraus ehrenamtlich erbracht werden, verbietet sich ethisch jeder Vergleich mit völlig anders gearteten Aktivitäten, um eine Rangfolge der Wertigkeit zu erstellen. Geschieht es dennoch, können die Auswirkungen groß sein. Das Ehren als sozial verstandene Verwaltungsaufgabe zu praktizieren, provoziert also auch Kollateralschäden.  

 

Maintal ehrt am 10. März 2018 auf einer Festveranstaltung Personen, die sich sozial engagieren. Hierzu erfolgte ein öffentlicher Aufruf, auf den 20 Meldungen eingingen. Es konnten sich Personen oder Organisationen selbst bewerben oder sie konnten von Dritten mit ihrem Einverständnis vorgeschlagen werden. Sie verpflichteten sich sogar, der späteren Ehrungsveranstaltung beizuwohnen, egal welches Ergebnis dabei herauskommt(Aufruf wurde nachträglich verändert). Die Bekanntgabe der Sieger erfolgt im Rahmen einer Präsentation aller Aktivitäten. Rein organisatorisch und von der Spannung her wäre das eine interessante Sache, wenn die Preisträger nicht bereits feststünden, sondern der Ausgang bis zur Bekanntgabe offen wäre.

 

Denjenigen, die keinen der 5 Preise erhalten, hatte man das aber im Vorfeld schriftlich mitgeteilt und sie dennoch aufgefordert, sich und ihre offensichtlich weniger geschätzte Aktivität im Rahmenprogramm zu präsentieren. Für uninformierte Besucher mag die Spannung des Abends erhalten bleiben, die durchgefallenen Kandidaten präsentieren sich jedoch chancenlos zur Erhöhung der Leistungen der Prämierten, um dann offiziell die öffentliche Abfuhr entgegen zu nehmen. Durchgefallene Kandidaten empfinden mitunter die Chance, sich präsentieren zu dürfen, als überhebliche Gnade.

 

Selbstlosigkeit und Ehrung passen nicht zueinander  

 

Soziale Betätigungsfelder sind vielfältig und Selbstlosigkeit ist dabei rar. Ein Teil der im sozialen Bereich Aktiven möchte führen, repräsentieren und Lob und Anerkennung erhalten. Das ist ihre wesentliche Motivation. Im zweiten und im dritten Glied findet man die meisten selbstlosen Aktiven. Selbstlos Aktive im ehrenamtlichen Bereich sind allerdings sehr sensibel und beurteilen ihre eigene Leistung an der Mühe und der Anerkennung, mit denen ihre Aktivitäten verbunden sind. Dabei spielen Begleitumstände, die eine Jury gar nicht kennen kann, eine große Rolle. Eine weitere Besonderheit: Sie können, müssen aber nicht ehrenamtlich aktiv sein. Alles hängt am seidene Faden der Motivation. Ihr Verzicht auf ihre Leistung ist für sie nicht mit einem Verlust von Ansehen und Wichtigkeit verbunden, wie das bei eigennützigen Aktiven der Fall ist. So ist auch eine Ehrung weder eine Motivation, noch ein Grund, seine Aktivitäten auch dann noch weiter zu betreiben, wenn sie längst keine Freude mehr bereiten. Selbstlosigkeit und Ehrung schließen sich meiner Meinung nach gegeneinander aus.

 

Anerkennungskultur braucht Vorbilder

 

Ein wesentlicher Aspekt einer Ehrung ist die Auswahl der Laudatoren. Hier genügt es nicht, dass deren Dienstgrad oder die eigene gefühlte Wichtigkeit entscheidet. Sie sollten im zu ehrenden Metier Vorbilder sein, die auch die Anerkennung der zu ehrenden Kandidaten genießen. Personen, auf die das nicht zutrifft, mindern die Ehrung ganz erheblich. Für zu ehrende Kandidaten spielt also die Person des Ehrenden eine große Rolle. Das Gleiche trifft auch auf Juroren zu. Hier ist absolute Kompetenz gefragt.

 

Fatale Auswirkungen nach Entehrung

 

Jeder Sportler, der sich einem Wettbewerb stellt, muss das Verlieren einkalkulieren. So sind zunächst Aufbauwettbewerbe sinnvoll, ehe man sich dem entscheidenden Wettbewerb stellt. Auch dann muss man vor dem Antreten prüfen, ob das Schiedgericht und das zur Anwendung kommende Verfahren akzeptabel ist. Geht man damit konform, muss man das zu erwartende Urteil akzeptieren. Dieses Urteil relativiert Leistungen und Betroffene stellen sich sehr oft die Frage nach dem Sinn, die Aktivität fortzusetzen. Die Entscheidung fällt meist fatal aus, wenn der Aufwand und die Freude mangels Anerkennung aus dem Lot geraten.

 

Ein absolutes No-Go ist ein Verstoß gegen die Teilnahmebedingungen, wenn Personen dadurch ungewollt in den Fokus geraten, weil man ihnen etwas Gutes antun wollte.

 

So gesehen haben solche Ehrungen, die meistens eigentlich nur dem Ansehen der Kommune oder des Veranstalters dienen, einen fragwürdigen Wert.

 

07.01.2018

 




































 

Periodische Kalenderzwänge  

 

Wenn sich Erinnerungskulturen und Gruppenzwänge treffen, so löst das Handlungen aus, die nur zu bestimmten Anlässen vorgenommen werden. Vorher und nachher fehlt dafür jeglicher Grund und würde nur zu Irritationen führen. Es gibt die Zeit für Osterhasen und für Nikoläuse aus Schokolade, wobei sich manche Prachtexemplare nur durch die Hülle unterscheiden. Ganz normale Süßigkeiten kosten wegen der gezielten Verpackung  bei gleichem Warenwert das Doppelte. Gänse haben das ganze Jahr ein ruhiges Leben. Wegen eines Kalenderereignisses müssen sie millionenfach ihr Leben lassen. Über'm großen Teich trifft es dafür die Truthähne, anderswo die Karpfen. Alles scheint vom Kalender abhängig zu sein. Wir finden heute fast täglich spezielle Tage im Kalender, wie den Tag der Milch, der Pizza, der Schokolade, der Waffel und Tag der Zimtschnecke. Heute hat fast jede Interessengruppe die Möglichkeit, einen speziellen Tag im Kalender auszurufen, damit die Kassen klingeln. Sogar über geschlechtsspezifische Tage, wie den Tag der Tage, wird bereits nachgedacht. Momentan hat allerdings der christliche Glaube Konjunktur und beruft sich auf ein Ereignis voller Widersprüche, das wohl nie eine logische Erklärung finden wird. Es sind halt Tage des Glaubens. Und der Glaube kann Berge versetzen.  

 

Traditionelle Abläufe    

 

Wenn etwas immer wieder in der gleichen Weise abläuft, so spricht man nach einiger Zeit von Tradition. Die Frage, warum das so abläuft, tritt in den Hintergrund, weil die Abläufe zwanghaften Ritualen folgen. Das Kaufen und Schenken, Schmücken und Abräumen, Zurückgeben und Umtauschen, Schlemmen und Trinken, anschließend abnehmen und kürzer treten, wie es die Tradition an Weihnachten vorschreibt, da gibt es kein Entrinnen.

 

Ach ja, in die Kirche gehen, dort die Krippe und den Weihnachtsbaum bestaunen, singen und beten, ehe für die gespendet wird, denen es nicht so gut geht. Man will sich ja für seinen persönlichen Überfluss nicht schämen müssen.  

 

Hinter der Aufzählung stecken allerlei kleinteilige Abläufe. Da wäre zunächst die Weihnachtsdekoration, die gut verpackt im Keller schlummert. Nun wird sie hervorgeholt. Kurz vor dem 1. Advent beginnt rundum die Beleuchtungsorgie vom 7-flammigen Fensterleuchter bis zur Weihnachtslichtorgel, den beleuchteten Rentieren und den Lichterschläuchen und -ketten. Sie zeigen der Nachbarschaft, wie viel Geld man für Strom investiert, nur um anderen Menschen zu gefallen.  

 

Wir zum Beispiel stellen auf dem Balkon einen Weihnachtsbaum mit einer opulenten Beleuchtung auf. Daran haben wir 5 Wochen lang unsere Freude und unser Wohnzimmer wirkt noch größer. Andere dagegen schmücken den Weihnachtsbaum erst am Heiligen Abend und bauen auch dann erst Krippen und geschnitzte Sinfonieorchester mit Engelchen auf, platzieren eine Sammlung Räuchermännchen und hängen Glöckchen und Kugeln aus Porzellan und Glas auf.

 

Mancher Senior legt zur Bescherung auch heute noch die alte Weihnachtsplatte mit Rudolf Schock auf, die mit Glockengeläut beginnt. Das kleine Glöckchen läutet dann das alljährlichen Geschenketauschen ein, wie bei Hoppenstedts und man hört förmlich den Satz: "Früher war mehr Lametta!"  

 

Ebenfalls zur Tradition gehören die Gans oder der Festtagsbraten, Klöße bis zum Abwinken und der Weihnachtsbock, die Markklößchensuppe und das Tiramisu, ehe Verdauungsschnäpse an der Reihe sind.

 

Zwischen dem kleinen Lord, Grimms Märchen, dem Untergang der Titanic bis zum Dinner for One liegen nur wenige Tage, die für Umtauschaktionen genutzt werden. Eine der häufigsten Fragen zur Bescherung lautet nämlich: "Hast du den Kassenbon noch?" Geschenke, die nicht umgetauscht werden, müssen einige Zeit in Gebrauch sein, damit die Schenkenden zufrieden sind. Über allem schwebt der Gedanke des selbstlosen Schenkens von Dingen, die man entweder selbst bereits hat oder die man nicht mehr braucht. Hübsch eingepackt gehen sie noch locker als Geschenk durch.  

 

Stress pur  

 

Zeit, Ruhe und Besinnlichkeit verführen manchen zum Fernsehgenuss. Doch auch hier lauert Stress. Wenn am Heiligen Abend der Spaßmacher der Kriegs- und der Nachkriegszeit Heinz Rühmann mit seiner Feuerzangenbowle, Carmen Nebel mit einem Sonderangebot der Unterhaltung, sich Bud Spencer und Terrence Hill mit Gott und der Welt kloppen, Sissi in drei Folgen den wilden Kaiser liebt, Heinz Becker und Mr. Bean Weihnachten feiern und Helene Fischer zum x-ten Mal Massen begeistert, bleibt nicht jeder entspannt. Es fühlt sich an, wie das gewaltsame Stopfen einer Weihnachtsgans.  

 

Bereits kurz vor Silvester nervt ganz gewaltig das Tuten und Bimmeln der Westerneisenbahn, die  der Sohnemann von Opa bekam und Berufstätige freuen sich bereits wieder auf die Arbeit. Viele von ihnen haben die Ruhe der Feiertage mit der traditionellen Grippe oder zumindest mit einem Schnupfen verbracht, als wollte eine höhere Macht jede Art von vernachlässigten christlichen Ritualen bestrafen. Andere hatten zwischen den Jahren viel Zeit und Muße bei "Ihr Kinderlein kommet...", was dann manchmal auch prompt in Erfüllung geht. Man gönnt sich ja sonst nichts!

 

Der nächste kalenderabhängige Traditionszwang wartet schon

 

Kaum sind im neuen Jahr alle Spuren von Weihnachten beseitigt, holen die Narren ihre Kappe aus der Tasche, die sie für kurze Zeit artig abgesetzt hatten und setzen sie auf. Jetzt ist Jubel, Trubel, Heiterkeit angesagt, als wolle man sich selbst besiegen. Einmal Prinz oder Prinzessin zu sein, kann noch Jahre nachwirken. Von Vereinen in Prunk, Gala, Kostüm, Senior und andere Kategorien bei Fastnachtssitzungen eingeteilt zu werden, hat Tradition. Viele möchten sich selbst nicht zuordnen, zu was sie gezählt werden. Wenn doch, dann klappt's auch mit der Ausgelassenheit.

 

Das Leben ist ein Füllhorn von Zwängen und Möglichkeiten. Wer es auskostet ohne darüber nachzudenken, ist glücklich und zufrieden. In diesem Sinn wünsche ich allen meinen Leserinnen und Lesern eine frohe Weihnacht und einen guten Rutsch ins neue Jahr.

 

24.12.2017

 










Wenn der Christbaum leuchtet...


 
und der Adventskranz brennt...



an Silvester das alte Jahr verabschiedet wird,...



...dann steht schon wieder Fastnacht vor der Tür!

 

Bedenkliche Kehrtwenden  

 

Jeder Mensch hat schon Kehrtwenden hinter sich, also die Umkehr auf einem als falsch erkannten Weg. Selbst das Navi im Auto rät gelegentlich "Bitte wenden, bei nächster Gelegenheit bitte wenden!" Doch hier stellen wir immer wieder fest, dass dies gar nicht stimmt, weil das Navi nicht mehr aktuell ist. Ein Update ist erforderlich. So ist es auch bei vielen Kehrtwenden, die uns unser menschliches Navi vorschlägt. Müssen wir immer exakt unserer inneren Stimme folgen? Die Frage ist nicht einfach zu beantworten.  

 

Der Jahreswechsel ist mal wieder so ein Zeitpunkt für Kehrtwenden. Wenn sich über eine längere Zeit bestimmte Erwartungen nicht mehr erfüllen und das Maß voll zu sein scheint, ist die Versuchung groß, sich abzuwenden, im schlimmsten Fall ist eine Kehrtwende vorzunehmen. Was bis gestern noch erstrebenswert, interessant oder sinnvoll erschien, ist heute plötzlich das genaue Gegenteil. Woran liegt das? Irgendwie hat das was mit Enttäuschung zu tun.  

 

Die Auslöser  

 

Als Auslöser gelten plötzliche oder unerwartete Erfahrungen, die bisherige Verhaltensweisen auf den Prüfstand stellen. War man Personen oder einer Sache gegenüber bisher vorwiegend positiv eingestellt, bedeutet sie einem plötzlich nahezu nichts mehr. Auch der umgekehrte Fall tritt häufig ein. Dies umso stärker, desto intensiver man sich einbrachte und womöglich sogar ein starker Erfolgsgarant einer Sache war. Immer wieder fällt dabei der Satz: "Ich bin auch nicht mehr so blöd...", der fast jede Endung haben kann. Es steckt meist eine große Enttäuschung dahinter. Wer Enttäuschungen infolge seiner Heftigkeit nicht optimal verarbeiten kann, der wendet sich abrupt ab. Oftmals sind es jedoch eigene  falsche Erwartungen, die Andere nicht erfüllen konnten, weil sie nicht dazu in der Lage sind. Vielleicht hat man sich nur mit den falschen Menschen abgegeben. Das nun viel zu spät zu erkennen, löst die Erkenntnis einer Fehleinschätzung aus, die ihrerseits starke Reaktionen generiert. Der Auslöser ist meist eine Bagatelle.  

 

Wo Kehrtwenden hinführen können  

 

Selbstlos engagierte Menschen wähnen sich gern im Kreis Gleichgesinnter. Das gibt ihnen die Stärke für all die Mühe, der ein adäquater Lohn gegenüber stehen sollte. Menschen, die keine oder nur geringe Leistungen erbringen, kennen diesen kausalen Zusammenhang gar nicht. Genau sie sind aber oft diejenigen, die Kehrtwenden bei ihren Mitmenschen auslösen. Ihre unbedachte Art, mit Leistungsträgern umzugehen und deren Leistung leichtfertig zu negieren, aber gleichzeitig den Nutzen ihrer Arbeit mitzunehmen, löst bei den Leistungsträgern ein gefährliches Nachdenken aus. Man fragt sich, ob es diese Menschen überhaupt wert sind, dass man sie am Erfolg teilhaben lässt.  

 

Im privaten und sogar im familiären Bereich spielen Lebensgewohnheiten eine Rolle, die man selbst nie annahm oder aus gutem Grund ablegte. Wenn man mitverfolgt, wie Menschen ohne entsprechende Erfahrung(en) in Situationen laufen, die der eigenen Erfahrung widersprechen und dass sie keinen Rat annehmen, kommt es vielfach zu wahren Kehrtwenden im Umgang miteinander. Man lässt diese Menschen an die Wand laufen, weil sie ihre Verhaltensweisen nicht überdenken und korrigieren, was der Ablehnung des Ratgebenden  gleich kommt. Warum soll man dann Auswirkungen und seltsame Verhaltensweisen mittragen? Man nimmt sich nun ebenfalls wichtiger als den Anderen.  

 

Wem oder was eine Kehrtwende auch immer gilt, sie ist eine totale Abkehr. Meist ist sie damit verbunden, dass es nun kein Zurück mehr gibt. Allzu prägend war die Erfahrung, die zur Kehrtwende führte. Das soll einem nie wieder passieren. Damit verbunden ist allerdings auch eine völlige Umkehr in der Achtung und im Wertgefühl von Beziehungen. Das sollte man vor der nächsten Kehrtwende beachten.

 

10.12.2017

 






  

                              Wende gut, alles gut...

 

In Abwandlung des Sprichwortes könnte diese Erkenntnis so manchen Konflikt lösen, wenn die Wende ehrlich gemeint ist. Umzukehren, wenn man auf einem als falsch erkannten Weg ist, ist keine ehrenrührige Sache. Es zeugt vielmehr von geistiger Beweglichkeit und Erfahrung, der man Raum gewährt. Hat man sich allerdings in eine Sackgasse manövriert und ist bereits dem Gespött von Mitmenschen ausgesetzt, weil man sich zum problemlosen Wenden zu breit machte, ist man umso stärker unter Beobachtung. Das Wenden erfordert nun einen Salto rückwärts, der zur grotesken Nummer werden kann.

 

 

Besonders schwierig wird das Wendemanöver oder gar der Salto rückwärts, wenn man seinen Mitmenschen über längere Zeit ein X für ein U vormachte und betonte, aufrecht und integer zu sein. Hier ist das Vertrauen irreparabel zerstört. In einer solchen Situation schließt sich eine Umkehr natürlich aus. Weil sich alle Mitmenschen an genau diese Eigenschaften gewöhnt haben und eine Kehrtwende niemals glaubhaft wäre, muss man so weitermachen. Das ist nicht intelligent aber passend zum Wesen dieser Menschen.

 

Menschen, die den richtigen Zeitpunkt zur Umkehr verpassten, haben viel mehr verloren, als eine gerade Richtung. Sie irren weiterhin in ihrem Leben und dem Leben anderer herum, weil sie nur ihre Spielregeln kennen. Ihr X ist immer wieder eín U. Wenn sie dabei glücklich sind, mag es für sie gut ein. Für den Rest ist das ein Ausschlusskriterium.

 

 

Seniorenpower

In wenigen Jahren wird ein Drittel der Maintaler Bevölkerung über 60 Jahre alt sein und man registriert die Senioren auch heute schon sehr stark, wenn alle Jüngeren auf der Arbeit sind. Dann bevölkern sie die Einkaufszentren, den fußläufig erreichbaren Einzelhandel  und die Arztpraxen. Viele von ihnen sind ehrenamtlich tätig und übernehmen seit vielen Jahren Pflichten, wie sie es gewohnt sind. Banken verkünden immer wieder, dass gerade Senioren die fleißigsten Sparer sind und über satte Reserven verfügen. Sie finanzieren ihren Kindern und Enkeln viele Dinge des Lebens, die sie sich sonst nur schwer leisten könnten. Selbst gönnen sie sich dagegen nicht viel, weil sie nicht wissen, was noch kommt. Viele Senioren pflegen die Gemeinschaft, um einen festen Platz in ihr einzunehmen, denn auf die Kinder ist im Alter vielfach kein Verlass. Die Bürgerhilfe Maintal ist ein Modell mit vielen Tausend Mitgliedern, die sich einbringen, um später selbst Hilfe zu erhalten. Seniorenpower versus Unterstützung, so heißt die Devise. Bei ihrem ehrenamtlichen Engagement lernen sie täglich aber auch die Kehrseite der Medaille kennen - die Altersarmut!

 

Der Maintaler Seniorenbeirat

 

Als Gast der kürzlichen Sitzung des Maintaler Seniorenbeirats, den ich als Redakteur der Maintaler Seniorenzeitung besuchte, erlebte ich, wie es um Maintaler Seniorenpower bestellt ist. Das Gremium könnte gewaltiges reißen, wenn sich Seniorenpower richtig entfalten würde. Im neuen Seniorenbeirat versuchen gerade einige Beiräte mit Power den Rest der eher passiven "Berufenen" zu einer wirksamen Mitarbeit zu bewegen. Leider mit wenig Erfolg. Die Hälfte des Beirats war zur Sitzung erst gar nicht erschienen. Meist handelt es sich um Personen, die von ihren sozial tätigen Gruppierungen als Kandidaten gemeldet und vom Magistrat "berufen" werden. Nur hat der Begriff "Berufung" in kirchlichen Organisationen einen anderen Klang als bei anderen Gruppierungen. So fühlen sich einige offensichtlich zum Amt berufen, ohne als Aktivistin oder Aktivist wirklich geeignet zu sein. Sie berichten in ihren Organisationen nur über das, "was so läuft", mehr aber nicht. Vielleicht ist bei einigen die drohende Mitarbeit sogar ein Grund der Abwesenheit.

 

Der den Seniorenbeirat betreuende und bisher leitende Fachbereich der Stadt Maintal räumte in dieser Sitzung erstmals den Vorsitz und überließ ihn den beiden Sprechern, die fortan die Sitzungen vorbereiten und leiten werden. Der Fachbereich setzte damit ein deutliches Zeichen zur Eigeninitiative bei unveränderter Unterstützung des Gremiums. Nun liegt es am Beirat selbst, ob er weiterhin den Weg der harmlosen Betätigung gehen wird, oder ob er mit öffentlichkeitswirksamen Aktionen viele Maintaler Senioren und deren Umfeld zur Beteiligung begeistern will.

 

Ein gutes Beispiel hierfür war in dieser Sitzung die Diskussion um eine Ausstellung zum Thema Altersarmut. Hierzu gibt es eine Wanderausstellung, die landauf landab absolut bevölkerungsneutral alle Facetten der Altersarmut zeigt. Die damit verbundene Arbeit würde sich auf die Terminfindung, die Verpflichtung des Ausstellers und das Buchen der Ausstellungsflächen und die Öffentlichkeitsarbeit reduzieren. Die Alternative wäre die Einbindung des gesamten Maintaler Sozialproporzes, der über Beiratsmitglieder im Gremium vertreten ist. Dazu müssten diese Beiräte allerdings in ihren Organisationen aktiv werden, damit Lokalbezug und damit mehr Interesse erzeugt wird. Außerdem wäre es sinnvoller, nicht direkt die Altersarmut, sondern die vielfach zur Altersarmut führende Lebensplanung in den Fokus zu rücken. Der Nachdenkprozess läuft jetzt.

 

Obwohl der Maintaler Seniorenbeirat schon viele Jahre existiert, ist nicht erkennbar, dass sich die Maintaler Senioren der Chancen bewusst sind, die der Seniorenbeirat hätte, wenn sich dort Seniorenpower entwickeln und verbreiten würde. Das wäre umso wichtiger, weil Senioren keine Lobby haben.

 

Soziales Engagement der Senioren

 

Wie zuvor bereits erwähnt, rekrutiert sich der Seniorenbeirat aus "Berufenen" des Maintaler Sozialproporzes. Die wirkliche Seniorenarbeit findet momentan jedoch in ganz anderen Regelkreisen statt. Im Rahmen von "Senioren in Maintal freiwillig aktiv" organisieren Senioren für Senioren sehr viele Möglichkeiten der Betätigung und des Erlebens. Besuchen Sie die Informationsplattform über obigen Link. Darunter sind auch sehr viele Aktivitäten, die unter den Oberbegriff "Seniorenbespaßung" passen, der eher unterhält als zum Mitmachen anregt.

Eine der Aktivitäten - die Maintaler Seniorenzeitung 60 AUFWÄRTS - versorgt im vierteljährlichen Rhytmus Maintals Seniorenhaushalte kostenlos mit 2800 vierzigseitigen Zeitungen, in denen neben wichtigen Informationen auch viele interessante Artikel zu finden sind, die sich mit dem zweiten Leben befassen. Die Zeitung findet in der gesamten Rhein-Main Region große Beachtung.

 

Maintals Senioren sind ein schlafender Riese, der erst noch geweckt werden muss, damit sich Seniorenpower flächendeckend entfalten kann. Diejenigen, die sich darum bemühen, opfern sehr viel Freizeit. Ihnen sollte jede nur möglich Unterestützung gewährt werden.

 

06.12.2017

 

 














 

Zwischen den Welten  

 

Maintal leistet sich seit vielen Jahren eine Bürgerbeteiligung, die nach außen hin lebhaft und den Interessen der Bürger angemessen erscheint. Taucht man etwas tiefer in die Welt des ehrenamtlichen Engagements ein, so gehen mehrere Welten auf, die recht unterschiedlich sind. Im Gespräch mit den Protagonisten dieser Welten oder im Zusammenhang mit eigenen Aktivitäten wird der tatsächliche Wert der Bürgerbeteiligung deutlich.

 

Die Redaktion der Seniorenzeitung 60 AUFWÄRTS recherchiert regelmäßig  in diesen ehrenamtlichen Welten, weil sich nun mal auch viele Senioren unentgeltlich zum Wohl der Allgemeinheit einbringen. Was die Redakteure dabei aufwirbeln, finden viele Leser gut, weil es endlich einmal offen angesprochen wird. Andere wiederum betrachten es als Nörgelei, wie sie angeblich typisch für Senioren ist. Dinge, die einseitig hochgeschätzt sind, werden negiert, Dinge, die sich Senioren und viele andere Menschen wünschen, als Zumutungen empfunden. Es sind die unterschiedlichen Welten, die solche Reaktionen hervorrufen.  

 

Die Welt der Einheimischen  

 

Bürgerinnen und Bürger aus Dörnigheim, Bischofsheim, Hochstadt und Wachenbuchen, die schon sehr lang hier zuhause sind, fühlen sich zwar immer noch nicht als Maintaler, haben sich an dieses Gebilde aber bereits gewöhnt. Das ist nicht einfach, weil es keinen Maintaler Ortsmittelpunkt und kein Zentrum für die wichtigen  Einkäufe gibt, das fußläufig erreichbar ist. Das seltsame Gebilde wirkt wie zusammengeklebte Schuhkartons unterschiedlicher Größen - vier zusammenhanglose Welten mit teilweise individuell ausgeprägten Kulturen. Einheimische brauchen einfach ihren Kirchturm, ihren Verein, ihren Bäcker, ihren Friseur, ihren Arzt und ihre Apotheke und natürlich ihren Friedhof, auf dem all die liegen, die es geschafft haben, dieser Welt zu entfliehen.  

 

Wer diese Welt kritisch anpackt, kann sein blaues Wunder erleben. Fast jeder Gedanke der Erneuerung löst bei Einheimischen Proteste aus, die Neubürger oft gar nicht nachvollziehen können. Einheimische finden dagegen Neubürger durchaus interessant und sie geben ihnen eine echte Chance zur Integration, aber oft auch nur eine einzige. Wird diese nicht genutzt, kommt ein entsprechender Stempel drauf und der Neubürger wird in eine passende Schublade gelegt. Dort bleibt er, bis es ihm aus eigener Kraft gelingt, den Stempel abzuwaschen. Ehrenamtliches Engagement ist dabei ein möglicher Weg.

 

Die Welt der Neubürger  

 

In Zeiten der modernen Völkerwanderung verschlägt oder zieht es viele Menschen nach Maintal, weil die Patchwork-Stadt am Fluss im Speckgürtel Rhein-Main liegt, viel Natur und den Charme einer Wohn-/Schlafstadt hat. Hinzu kommt das Glück, hier wirklich eine passende Wohnung oder eine Immobilie gefunden zu haben. Da musste man einfach zugreifen. Neue Menschen bringen teilweise andere Kulturen mit, mit denen sich ihrer Meinung nach die Einheimischen abfinden sollten. Höchst selten orientieren sich Neubürger an dem, was in ihrer neuen Umgebung so Usus ist. Schließlich sind sie es, die nach ihrer Meinung verkrustete Strukturen aufbrechen und veredeln - eine weitverbreitete Sicht.

 

Deren Kinder integrieren sich wesentlich schneller, worin eine gewisse Hoffnung liegt. Mobilität ist für Neubürger eminent wichtig, was sich auf die Anzahl der Automobile pro Haushalt und die Parksituation in der ganzen Stadt auswirkt. Mobil ist auch die Versorgung für Neubürger kein Problem, zumindest nicht in jungen Jahren. Kultur eröffnet sich für sie in der gesamten Rhein-Main-Region und nur zögerlich werden lokale kulturelle Veranstaltungen erkundet. Erst neu geknüpfte Kontakte und gewonnene Freunde eröffnen den Neubürgern diese Welt. Sich zu integrieren, ist eine ganz wichtige Voraussetzung, dauerhaft hier anzukommen. Ehrenamtliches Engagement kann Brücken bauen.

 

Die Welt der ehrenamtlich Tätigen  

 

Wer an vielen Stellen des gesellschaftlichen Lebens dazugehören will, wählt den Weg der ehrenamtlichen Betätigung. Die dazu passenden Motivationen sind recht unterschiedlich. Gutmenschen wollen Gutes vollbringen und der Gemeinschaft zeigen, dass sie bereit sind, zu dienen. Eigennützig Denkende dagegen wählen den ehrenamtlichen Mantel, um in Organisationen tragende Rollen zu übernehmen, die ihrem Selbstverständnis und ihren Neigungen entsprechen.

 

Alles was dazwischen liegt, muss sich in Hierarchien einordnen und seinen Platz finden. Ach ja, da gibt es noch die Edelmütigen, deren Aktivitäten ein wahrer Segen sein sollen und den sie deutlich sichtbar wie aus einem Füllhorn ausschütten. Zum Schluss sollten noch diejenigen erwähnt werden, die gern an Erfolgen teilhaben wollen und die Gruppe, die aus reiner Panik vor Isolation und dem Vergessen-werden bis zum Umfallen aktiv sind. Ehrenamtliches Engagement hat also viele Gesichter. Die Summe aller damit erbrachten Leistungen haben allerdings in unserer Gesellschaft einen hohen Stellenwert. Die Kommune greift vorwiegend aus eigenem Interesse und dem der Politik lenkend ein.

 

Die Welt der Betreuer ehrenamtlicher Tätigkeit  

 

Die Stadt Maintal unterhält im Rahmen des Fachdienstes Maintal Aktiv eine Freiwilligenagentur mit vier engagierten Mitarbeiterinnen, die ehrenamtliche Potenziale heben sollen und einem Mitarbeiter, der speziell die Senioren-Aktivitäten betreut. Sie setzen die Vorgaben des Magistrats und der Kommunalpolitik zum Thema ehrenamtliche Tätigkeit um, damit ehrenamtliche Tätigkeiten übergeordneten Interessen an Beiräten und Bürgerbeteiligungsprozessen entsprechen. Wo externe Moderation erforderlich erscheint, werden keine Kosten gescheut, um die kommunal ins Auge gefassten Ziele zu erreichen. Wichtige Dinge kann man schließlich nicht den Launen der Bürger und dem Zufall überlassen.

 

Speziell die Senioren, die sich mit Erfahrung überdurchschnittlich stark einbringen, gilt es zu führen. Ihre aus der Lebenserfahrung gefühlte Überlegenheit würde sonst unangenehme Folgen für diejenigen haben, die eigentlich dafür zuständig sind. Eine Möglichkeit der Strategie ist deshalb die reine Seniorenbespaßung und kontrollierte Beschäftigung. Wissenschaftliche Betreuung ist dabei natürlich gefragt.

 

Leider misst der Fachdienst Maintal Aktiv seinen Erfolg nur am Erfüllen der Vorgaben von Politik und Magistrat. Kritisches und fachkundiges Hinterfragen der Vorgaben sowie das Aufzeigen von für Bürger wesentlich interessanteren Alternativen kommt zugunsten verwaltungstypischer Denkart nicht zum Tragen. Visionen werden ausgeblendet. Diskussionen zwischen Bürgern und dem Fachdienst stoßen dabei leider an die Grenzen der partnerschaftlichen Kommunikation.

 

Die Welt der negativen Beeinflusser erfolgreicher Bürgerbeteiligung

 

Den vielen ehrenamtlich Aktiven und speziell den substanziell starken Querdenkern unter ihnen stehen Protagonisten der Kommunalpolitik und Strategen der städtischen Verwaltung gegenüber, die sich hauptverantwortlich für alle Entwicklungen in Maintal fühlen. Sie sind gewählt und haben ihrer Meinung nach einen weitgehenden Auftrag erhalten. Im Versuch der Erfüllung dieses Auftrages fahren sie die Ellenbogen aus und halten viele bürgerlichen Einflüsse auf Abstand - so auch die Bürgerbeteiligung.

 

Sie zertörten in den vergangenen Jahren damit Glaubwürdigkeit und sehr viel Vertrauen, was heute zum Beispiel das städtische Internet-Modul  Maintal  macht mit.  zu spüren bekommt. Es erfüllt seinen Zweck nicht so, wie sich das die Gestalter erhofften. Leider sperren sie sich gegen die Bewussmachung der Gründe. Die Mitarbeiterinnen von Maintal Aktiv wurden somit ebenfalls Opfer zahlreicher demotivierender Aktionen der Kommunalpolitik und Teilen der Verwaltung, die in den letzten Jahren Engagierte vergraulten.

 

Gern wird der freie Blick nach vorn bemüht, wenn es darum geht, Neuanfänge zu wagen. Die Vergangenheit holen solche Neuanfänge infolge mangelnden Vertrauens immer wieder ein. Deshalb sollten sich Magistrat und Kommunalpolitik schweren Fehlern der Vergangenheit stellen. Erst wenn verdeutlicht wird, dass diese Fehler erkannt sind und in Zukunft nicht mehr gemacht werden sollen, kann sich Vertrauen wieder aufbauen. Es ist eine gute Portion Feigheit im Spiel, nicht zu Taktiken zu stehen, mit denen man Bürgerbeteiligung missbraucht und deren Erfolg ausbremst.

 

Sich in den Welten positionieren

 

Alle Maintaler Bürger müssen sich irgendwann in der Gemeinschaft der Bürger positionieren. Sie können natürlich abseits stehen und alles geschehen lassen, wie es Interessengruppen betreiben. Wer sich etwas intensiver mit den verschiedenen Welten Maintals befasst, wird sich zumindest irgendwo wiederfinden. Entscheidend ist, dass man als Bürger nicht nur an dem schuld ist, was passiert, sondern auch an dem, was man nicht verhindert. Dazu muss man sich bemerkbar machen und positionieren. Gelenkte Bürgerbeteiligung muss dabei aufgebrochen werden und einer von Bürgern gelenkten Bürgerbeteiligung weichen. Zumindest können engagierte Bürger in eigenständigen Bereichen der Bürgerbeteiligung ihre Interessen besser wiederfinden, als es in den von der Stadt initiierten und gesteuerten Projekten möglich ist. Auch diese Bereiche werden für bürgerschaftliches Engagement wieder attraktiv, wenn die Glaubwürdigkeit und das Vertrauen in eine faire Umsetzung wiederhergestellt ist. Dazu müssen sich der Magistrat und die Kommunalpolitik ebenfalls richtig positionieren.

 

27.11.2017

 









Peinlichen Erkenntnissen...


...müssen die Verantwortlichen auf den Grund gehen...



...anstelle die Bürger am Nasenring
zu Ergebnissen führen zu wollen,




...und endlich wieder damit anfangen,
Bürgerbeteiligung fair zu praktizieren.




Mit solchen Spielchen wurde mehr Vertrauen zerstört,
als man in mehreren Jahren wieder aufbauen kann!

Die Meinung der Frankfurter Rundschau dazu
ist im Artikel vom 11.01.2018 zu lesen

 

Befürchtungen werden Gewissheiten

Mit dem vorangegangenen Artikel "Erfahrungen im neuen Wohnumfeld" ging es um die gegenseitige Rücksichtnahme und um die soziale Integration in den nachbarschaftlichen Bereich. In diesem Artikel möchte ich das Thema auf ganz Maintal ausweiten, im Grund genommen auf alle vom heutigen Zeitgeist erfassten Bereiche. Der größte den Zeitgeist formende Einfluss ist derzeit offensichtlich das Verhalten zu den Mitbürgern nach dem Motto "Was nicht verboten ist und was verboten ist, aber nicht überprüft wird, ist erlaubt!" So werden Verhaltensweisen bis zur Grenze und darüber hinaus ausgereizt. Beispielhaft dafür steht die Situation am Dörnigheimer Mainufer. Das Leben am Fluss ist für viele an Flüssen gelegenen Städte und Gemeinden ein interessanter Aspekt der Naherholung. Dies zu nutzen und für diesen Zweck aufzuwerten, ist ein wichtiges Projekt der Stadtentwicklung. Doch hier bereitet die gegenseitige Rücksichtnahme zwischen Besuchern und Anwohnern eine bedeutende, wenn nicht sogar die entscheidende Rolle.

 

Konflikte am Dörnigheimer Mainufer

 

Das Stadtleitbildprojekt "Mainufer" erarbeitete über mehrere Jahre hinweg ein Konzept, das nun Zug um Zug umgesetzt werden soll. Details und die Entwicklung der Meinungsbildung können auf der städtischen Website eingesehen werden. In die Beratungen waren viele Anwohner des Bereichs eingebunden und es kamen alle Aspekte auf den Tisch. Von Anfang an war klar, dass die Interessen der Anwohner und deren Bedenken auf negativen Erfahrungen mit dem Zeitgeist aufbauen. Wie würden die Bürger die neuen Möglichkeiten nutzen? "Eine Badewanne zu besitzen ist Zivilisation, eine Badewanne richtig zu nutzen, das ist Kultur!" Und mit der ist es offensichtlich nicht allzu gut bestellt.

 

Die Art der Nutzung und die zu erwartenden Begleiterscheinungen sind es, die eher Befürchtungen als Gewissheiten erzeugten. Nun sind aus den Befürchtungen tatsächlich Gewissheiten geworden und die Reaktionen sind heftig. Wo die gegenseitige Rücksichtnahme einseitig missachtet wird, geht sie meistens insgesamt verloren. Die Anwohner bewerten ihre Interessen absolut gleichrangig mit den städteplanerischen Interessen. So wurde die Idee der Gastronomie am Fluss zunächst von einem Anlieger torpediert.

 

 

Inzwischen kam es zu einer Übereinkunft und der Event wird gut angenommen. An anderen Orten beruhigen sich die Gemüter etwas schwerer. Die Stadt muss auch dort etwas unternehmen.  In der kalten Jahreszeit wird das Problem der unzumutbaren Ruhestörung naturgemäß etwas in den Hintergrund treten. Spätestens im Frühjahr lebt der Konflikt wieder auf. Bis dahin müssen Lösungen gefunden werden.

 

Nun gilt ja im Recht das Verursacherprinzip. Also ist die Stadt Maintal in der Pflicht, die bei den Planungen und deren Umsetzung federführend ist. Es liegt nicht an der Gruppe der Bürger, die umfassend planten und auch dem Aspekt der Lärmbelästigung einen breiten Planungsraum einräumten, sondern an der Umsetzung durch das Ordnungsamt und die örtliche Polizei. In der Wahrnehmung der Anwohner findet die Aufsicht angeblich nicht statt. Die Stadt behauptet jedoch das Gegenteil.

 

Es ist ja eine weit verbreitete Ansicht von Verwaltungen, dass diejenigen, für die man kommunal etwas, zu was man gar nicht verpflichtet ist,  einrichtet, dafür sorgen sollen, dass es auch richtig genutzt wird und dass die Bürger die auftretenden Probleme selbst lösen sollen. Schließlich entstehen die Probleme ja durch Bürger. Betroffene Bürger, die sich mit Zivilcourage einzelnen Unvernünftigen oder ganzen Personengruppen entsprechend entgegen stellen, sind dem Pöbeln des Mobs ausgesetzt, wie der nebenstehende Leserbrief verdeutlicht. Ordnungskräfte wurden in solchen Situationen nach Aussage der genervten Anwohner dabei noch nie gesehen.

 

Maintal TAGESANZEIGER verwirrte die Leser

 

Die Lokalpresse nahm sich in einem Artikel des Problems an. Grundlage war ein Telefon-Interview mit Herrn Huwer. Was dort aber zu lesen war, war verworren und der Rest war die bekannte Rechtfertigungsrhetorik aus dem Rathaus, bei der Maßnahmen genannt werden, die die Anwohner im Bereich zwischen der Turnerschaft FTD und der Dietesheimer Straße absolut nicht nachvollziehen können. So war von Kontrollen des Ordnungsamts in den Abend- und Nachtstunden die Rede.

 

Geradezu dümmlich mutet im Artikel die Verwechslung des Spielplatzes an der Fähre mit dem unterhalb der Residenz an der Mainpromenade an.  Kein Wunder, dass die Situationen an beiden Spielplätzen zu irreführenden Angaben führten. Das führte wiederum zu einem irreführenden Leserbrief. Den korrigierenden Leserbrief von Herrn Huwer abzudrucken, verweigert bis heute der Maintal TAGESANZEIGER.

 

Eigentlich eine tolle Sache

 

Sieht man sich die Ausarbeitungen der bürgerschaftlichen Planungsgruppe genau an, so ist der große Nutzen für Maintals Bürger klar zu erkennen, wenn alle Aktivitäten richtig dosiert und platziert werden und die Bürger die Möglichkeiten rücksichtsvoll nutzen. Rücksicht heißt generell natürlich Rücksicht auf die Einrichtungen, die Rasenflächen, die Sauberkeit und natürlich auch die erforderliche Ruhe, weil die Anwohner sich nicht den negativen Einflüssen entziehen können. Ist das gegeben, kann die Umgestaltung des Naherholungsgeländes eine Erfolgsstory sein. Die Nutzer selbst gefährden diesen Erfolg jedoch mit ihrer Unvernunft!

 

Verantwortlich für die gravierendsten Missstände sind in erster Linie sozial unangepasste Jugendliche, die vorwiegend in den Abend- und Nachtstunden Orte auswählen, die Möglichkeiten zu Exzessen bieten. Im Extremfall werden sogar auf Friedhöfen Saufgelage durchgeführt. Nun ist es das Mainufer, das die Horden anzieht. Zwar wurde anderenortes Möglichkeiten für die Jugendlichen geschaffen, doch sie werden sich wohl kaum nach Hochstadt verirren. Nicht überall scheint die Jugendarbeit erfolgreich zu sein und die Einflüsse von Migrantengruppen sind heftig.

 

Die vom Projekt geradezu offerierten Familienfeste im Mainuferbereich, die vorwiegend von Migrantenfamilien genutzt werden, die ihre heimatliche Lautstärke und Sitten an das Mainufer tragen. Auch das unbefugte Grillen auf den Grünflächen wird praktiziert. Man merkt, die neue Durchmischung verändert auch die Lebensumstände der einheimischen Bevölkerung, denn die zeigen jetzt ein ähnliches Verhalten.

 

Aber auch die Verhaltensweisen von Betreuern großer Kindergruppen sind oft nicht akzeptabel, wenn sie - wie ein Anwohner schildert - mit der Aufforderung an die Kinder einher geht "nun könnt ihr schreien und toben, hier stören wir niemand...". Wie sich das anhört, müssen die Anwohner ertragen.

 

Dreh- und Angelpunkt ist die soziale Integration

 

Auch hier - wie im direkten Wohnbereich - entscheidet der Grad sozialer Integration und gegenseitiger Rücksichtnahme, wie Bürger zusammenleben. Wo sich Einsicht und Vernunft nicht einstellen, müssen Regelungen getroffen und Verbote  erlassen werden, die für klare Verhältnisse sorgen. Sind diese erstellt, müssen sie auch um- und durchgesetzt werden. Das ist Aufgabe des Ordnungsamts und der Polizei. Ge- oder Verbote ohne deren Kontrolle sind jedoch leere Anweisungen, die locker missachtet werden.

 

10.11.2017

 

 

 

 

 

 

 

 

Leserbrief zum Thema Mainufer

 

Die Aussage der Stadt Maintal, man habe die Belange der Anwohner berücksichtigt, klingt wie Hohn in den Ohren der unmittelbar Betroffenen. Das Gegenteil ist der Fall. Schon  der Begriff „Naherholungsgebiet“ sagt aus, dass eine solche Anlage in der Nähe einer Ortschaft und nicht mittendrin in den Wohngebieten sein soll. Schon seit mehreren  Jahren sind die Anlieger speziell zwischen der Turnerschaft FTD und der Dietesheimer Straße einer erheblichen und unzumutbaren Dauerbelästigung durch die erweiterte Einrichtung der Spiel- und Freizeitanlage mit den vielen Spielgeräten am Mainufer ausgesetzt. 

 

Der Spielplatz in seiner ursprünglichen Form hatte nie ein Problem dargestellt. Die Behauptung der Stadt, die Anlage sei seit Jahrzehnten unverändert, trifft in keiner Weise zu. Bei der jetzigen  Anlage handelt es sich nicht mehr um einen  herkömmlichen Kinderspielplatz, der ohne Einhaltung bestimmter Lärmwerte zulässig ist  sondern um eine mehrere Tausend Quadratmeter große Freizeitanlage  inkl. Abenteuerspielplatz mit zahlreichen Spielgeräten, für die Lärmrichtwerte von Freizeitanlagen gelten. Diese Lärmrichtlinien – gültig für Wohngebiete - finden hier keine  Berücksichtigung!

 

Ob für diese Anlage  evtl. erforderliche Baugenehmigungen des Main-Kinzig-Kreises und des Wasserwirtschaftsamtes Aschaffenburg vorliegen, ist noch zu prüfen. Das Schutzbedürfnis der Anwohner wird weder durch zeitliche Beschränkungen, Kontrollmaßnahmen (oder ähnliche) in irgendeiner  Weise beachtet.

 

Die von den Anliegern geforderte Mittagsruhe und die Nutzung bis max. 20 Uhr wurden nicht berücksichtigt. Ohne Rücksicht auf  die Anlieger zu nehmen,  soll dem  Vernehmen nach die Mainwiese zwischen Fähre und Schöne Aussicht  noch mehr vermeintliche Attraktionen erhalten. Richterliche Urteile in ähnlich gelagerten Fällen gaben den Anwohner recht, die gegen diese Lärmbelästigung geklagt hatten. Eine Petition gegen die Dauerbelästigung – unterschrieben von 59 Anwohnern – wurde von der Stadt einfach ignoriert und blieb unbeantwortet.

 

Das Mainufer hat sich mittlerweile zu einem hochfrequentierten Licht- und Luftbad mit ständig  steigender  Lärmbelästigung entwickelt. Hier werden u. a. Großfamilienfeste abgehalten, an mehreren Stellen verbotenerweise Fußball gespielt, einhergehend mit einem hohen Verletzungsrisiko für Radfahrer, die sich auf dem ebenso hochfrequentierten nationalen Radweg R3 befinden.

 

Bei allem Verständnis für den Spieltrieb der Kinder, diese permanente Lärmbelästigung bis in die späten Abendstunden, die durch die missbräuchliche Nutzung der  Jugendlichen in den Nachtstunden noch fortgesetzt wird, stellt eine schädliche Umwelteinwirkung dar und bedeutet eine Gesundheitsgefährdung für die Anwohner. Nächtliche Anrufe bei der Polizei wegen Ruhestörung konnten bisher keine Abhilfe schaffen. Die von der Stadt aufgestellten Schilder sind sinnlos platziert (das Fußballverbotsschild steht oben auf der Straße, anstatt auf der Wiese) und nicht dazu geeignet, die darauf geforderte Rücksichtnahme für die  Anwohner einzufordern.

 

Anwohner, die Benutzer um Rücksichtnahme bitten, werden als Kinderhasser, Ausländerfeinde und Nazi beschimpft, teilweise sogar bedroht.  Anlieger können ihre Terrassen und Balkone nicht mehr nutzen und müssen, um Ruhe zu finden, Fenster und Türen schließen bzw. die  Wohnungen verlassen und geeignete Ruheplätze aufsuchen.

 

Einst bezeichnete der ehemalige Stadtrat Schächer das im Bau befindliche Projekt Residenz Mainpromenade in der Mainstraße 16 als „Sahnestückchen“ der Stadt Maintal, präsentiert als ruhige Wohngegend. Von der Mainpromenade (per Definition eine attraktive Region für Spaziergänger) und der ruhigen Wohngegend am Mainufer ist nichts mehr übrig geblieben. Einige Anwohner befassen sich mittlerweile wegen der Lärmbelästigung mit einem Wohnungswechsel.

 

Zu allem Überfluss hat man  noch die Blumenwiese beim Test der verschiedenen Rasenmäher zu einem großen Teil  abgemäht und somit weitere Freizeitflächen geschaffen. Dies bedeutet noch mehr Lärm. Diese permanente Lärmbelästigung und Ruhestörung der Anlieger kann  und darf nicht so bleiben. Auch die Anwohner haben Rechte. Der Frauenhain westlich der Fähre wäre der geeignete Platz für diese Einrichtung gewesen. „Die Freiheit des einen hört da auf, wo das Recht des anderen beginnt“  

 

Gerhard Huwer

Dietesheimer Straße 23

63477 Maintal

gerhard.huwer@arcor.de

 

 

 

 

Was eine Wohn-/Schlafstadt ausmacht

Einstimmung auf Maintal für Neubürger


Die neue Website möchte ich mit einigen Fragen eröffnen, die Sie sich stellen sollten. Was wird Neubürger erwarten, die sich für Maintal entschieden? Wo ist eigentlich der Ortsmittelpunkt? Wie funktioniert der Nahverkehr? Welche Kindergärten und Schulen gibt es? Wo kann man einkaufen und welche Lokale sind empfehlenswert? Welche Ärzte sind ansässig? Viele Fragen, die sich im direkten Kontakt mit Einheimischen und neuen Nachbarn am besten klären lassen. Doch zunächst merken Neubürger, dass es in Maintal recht ruhig zugeht. Das liegt daran, dass Maintal eine Wohn-/Schlafstadt ist und tagsüber die meisten Menschen zur Arbeit pendeln und nur die Senioren und die aus irgendwelchen Gründen Daheimgebliebenen zu sehen sind.

 

Und noch eine Frage kommt auf: Warum nur geht es in anderen Kommunen von der Wahrnehmung her quirliger zu? Ganz einfach - weil sie es mit dem, was dort an Interessantem passiert, bis in die Tagespresse oder andere Medien schaffen. Maintal schafft es meistens nicht. Das Gute ist, dass dadurch der Eindruck entsteht, in Maintal im Tal der Glückseligen zu leben.

 

Die Möglichkeiten, sich über Maintal zu informieren, sind allerdings vielfältig. Auf der Homepage der Stadt findet man bereits eine ganze Menge. Was politisch so läuft, ist auf dem Bürgerinformationsportal zusammengefasst. Senioren können sich auf der Seite Seniorenaktiv über das Angebot für Senioren informieren. Darüber hinaus stellen die meisten Vereine ihre Aktivitäten im Internet vor. Hier alle Informationsquellen zu nennen, würde den Rahmen sprengen. Es gehört schon eine Portion Entdeckergeist dazu, Maintals Facetten zu ergründen.

 

                

 

Maßgeschneiderte Öffentlichkeitsarbeit

 

Auf dem Gebiet der Öffentlichkeitsarbeit hat die Stadtverwaltung in den letzten Jahren zugelegt und bietet eine Art vorgefertigte journalistische "Haute Couture" für Tageszeitungen, kostenlose Wochenzeitungen und Werbepostillen an. Es handelt sich dabei um textliche Maßschneiderei von Sachverhalten und nicht - wie spöttisch gemunkelt wird - um Maßaufschneiderei. Dieser Eindruck entstünde nur, weil immer nur positive Aspekte thematisiert und ausgeschmückt würden und Kritisches ausgeblendet wird. Die öffentlichen Presseorgane, die von der Stadt Maintal versorgt werden, gewichten natürlich diese Pressemitteilungen und wägen ab, ob aus der informativen Haute Couture über zusätzliche Recherchen journalistische Prêt-à-porter-Artikel werden könnten. Im Hinblick auf die eher thematisch gelangweilte Leserschaft bleibt es oftmals bei der übersandten Version oder sie wandert gar in den Papierkorb. Wer will schon immer die gleichen Socken mit dem gleichen Muster!? Wenn Öffentlichkeitsarbeit weichgespült daher kommt und keinerlei Emotionen weckt, kann man Leser damit nicht hinter dem Ofen vorlocken. Darum ist auch in den großen Tageszeitungen der Region so wenig über Maintal zu lesen.

 

 

Politischer Dissens wird nicht mehr öffentlich ausgetragen

 

Maintals politisches Kleingruppen-Schunkeln in friedlichem Konsens ist schlichtweg unattraktiv. Von Politikern erwarten Bürger das hör- und sichtbare Ringen um die besten Entscheidungen. Hinterzimmer und Kellerbars sind da nicht gerade die passenden Rückzugsräume. Wähler wollen teilhaben am Ringen um die besten Lösungen. Bei den Stadtverordnetenversammlungen findet der aublauftechnische Vorcheck im Fojer statt, wenn die an diesem Tag zu erwartenden Mehrheiten gedanklich durchgespielt werden. Dort entscheidet sich, ob ein Tagesordnungspunkt mangels Mehrheit bis zur nächsten Sitzung geschoben oder durchgezogen wird, oder ob man andere TOPs so lang auswalzt, bis die 22 Uhr-Grenze erreicht ist. Auch was ohne öffentliches Aufsehen zu erregen in die Blockabstimmung soll, wird vorskizziert. Da die meisten Entscheidungen praktisch schon feststehen, ist am Rednerpult nur noch heiße Luft zu hören, denn es geht gar nicht mehr ums Überzeugen. Dissense werden zwar erörtert, jedoch auf dem Diskussionsweg nicht wirklich gelöst. Deshalb sind auch immer weniger Besucher des Parlaments zu verzeichnen. Wer sich dennoch informieren möchte, kann dies aktuell und als spätere Konserve im Maintaler Parlamentsfernsehen. In der Tagespresse und in (nicht mehr existenten) Foren könnte lebhaft diskutiert werden, um zumindest des Volkes Meinungen zu ergründen. Doch auch dort findet nichts (mehr) statt. Maintal ist nun mal eine Schlafstadt. Politik wird während der Legislaturperiode zur einfachen Vereinsarbeit heruntergestuft.

 

 

Beiräte wie anderswo

 

Eines muss man  Maintal lassen: Maintal hat Beiräte, wie viele andere Kommunen, die fortschrittlich und bürgernah denken. So gibt es den Behindertenbeirat, den Ausländerbeirat, den Frauenbeirat, den Seniorenbeirat, den Beirat kinderfreundliche Stadt und den Fahrgastbeirat. Besser so, als völlig (bei)ratlos! Schaut man genauer hin, handelt es sich um bestellte Personengruppen, die weitestgehend den Maintaler Sozialproporz abbilden und von der Verwaltung "berufen" und wie Abteilungen geführt werden. Eine Wahl haben Maintals Bürger für diese Gremien leider nicht.

 

Die Sitzungen der Beiräte sind öffentlich. Besucher verirren sich jedoch nur selten dort hin. Ohne öffentliche Wahrnehmung bleiben die Beiräte deshalb soziale Placebos, eigentlich Subkulturen, obwohl in ihren Satzungen markige Sinnbeschreibungen zu finden sind. Parteimitglieder und Kirchenaktivisten garantieren in den Sitzungen satzungsgemäß die überparteiliche und die überkonfessionsionelle Arbeit der Beiratstätigkeit. Wer hier nun einen Widerspruch wittert, sollte auf die Satzungstexte vertrauen. Es ist halt so und die Verfasser der Verfassungen glauben selbst daran. Dennoch fallen einige besonders engagierte Beiratsmitglieder immer wieder durch eigenmotivierte Einzelleistungen auf, die durchaus beachtenswert sind. Man könnte daraus noch mehr machen.

 

 

Leben und Sterben wie Betuchte

 

Wer sich Maintal freudig als neuen Lebensmittelpunkt aussucht, muss sich auf die Immobilienpreise, die Mieten und die laufenden Daseinskosten einstellen. Die Immobilienpreise legten in den letzten 10 Jahren bis zu 40% zu. Mit anderen Worten: Sich Maintal leisten zu können, um "da zu sein", hat seinen Preis. Im Speckgürtel des Rhein-Main-Gebietes liegen die Mieten 10% über dem gültigen Mietspiegel und meistens 30% höher als nur wenige Kilometer weiter. Von der Mietpreisbremse keine Spur! Wir sind ja hier in Maintal! Bezahlbarer Wohnraum ist knapp. Das Angebot regelt nun mal die Nachfrage. Immobiliengesellschaften sorgten rmit großzügiger kommunaler Unterstützung rechtzeitig für sich vor. Maintal befasst sich wegen dieser Schieflage gerade mit einer eigenen Immobiliengesellschaft, um irgendwann in der Lage zu sein, gegenzusteuern. Bis dahin gilt es für Bürger, tief in die Tasche zu greifen. Wer das locker verkraften kann, kann in Maintal ruhig und zufrieden leben und schlafen.

 

Arbeit ist in Maintal weniger zu finden, denn Maintal hat keine signifikanten großen Arbeitgeber wie andere Städte. Hier gibt es nur saubere Technologien, Handel und Dienstleistungen. Wer hier lebt, arbeitet wegen seiner Qualifikation vorwiegend in Frankfurt, Offenbach oder Hanau. Soweit zum Leben und Arbeiten.

 

Spätestens beim Sterben zeigt sich an den Friedhofsgebühren, dass es ein Privileg war, in Maintal gelebt zu haben. Dafür wird eine naturnahe Piatät geboten, bei der der Pflanzenwuchs auf natürlichem Weg niedrig gehalten oder sogar entsorgt wird, wenn Kenner einen für die Pflanzen günstigeren Platz entdecken.

 

Fazit

 

Solange man Maintal genießen kann, sollte man es tun. Die Lage und die Möglichkeiten zur Entspannung sind sehr gut. Auf das reduziert sich das Leben mit fortschreitendem Alter. Und das steht uns allen bevor.

 

In einer Welt, in der Berufstätige täglich mit dem unternehmerischen Zeitgeist und den von der Politik geschaffenen Beschäftigungsregelungen leben müssen, Arme täglich um ein Leben in Würde kämpfen und Reiche dabei auf sie herabsehen, viele Kinder in Armut die Markenschau der Kleidung und Ausstattung Besserverdienender ertragen müssen, Senioren sich nach einer neuen Bleibe umsehen müssen, weil sie die Miete nicht mehr bezahlen können, etc., trifft man passendes in entsprechenden Wohnquartieren an. Man sollte also wohnen, wo es persönlich passt.

 

Auch in Maintal gibt es eine Tafel und Sozialleistungen, was die allgegenwärtigen Probleme unserer Gesellschaft verdeutlicht. Licht und Schatten wie überall! Um diese Welt dreht sich das, was auf diesen Webseiten zu lesen ist.

 

08.11.2017

 



Kleiner Bilderbogen 
Fotos: Roland Hahn




            

 

 

                  Erfahrungen im neuen Wohnumfeld

Jahreswechsel, Neuanfang, Umzug in ein neues Wohnumfeld, das sind Dinge, die gelegentlich zusammenkommen. Dann ist es interessant, wie sich Neubürger oder Ankommende im neuen Wohnumfeld einfügen. Hier liegen Erwartungen und Wirklichkeit bei Alt- und Neubürgern oft weit auseinander. Bei der Entscheidung zum Umzug spielten zunächst die Lage, Infrastruktur,  Internetanschluss, Immobilienpreise, Mieten, Umlagen, Gebühren und Abgaben die entscheidende Rolle. Nun rücken allerdings die zwischenmenschlichen Themen in den Fokus.

 

Beurteilte man bis zum Ein- oder Umzug im neuen Umfeld nur die Klingelschilder, Briefkästenzustände, Satelitenschüsseln, nicht oder unorthodox genutze Gemeinschaftsbereiche etc., um Rückschlüsse auf die Wohnkultur vor Ort zu ziehen, jetzt lernt man die Menschen der neuen Umgebung persönlich kennen und wie sie zu einem passen. Nicht immer ziehen sich Gegensätze an, wie der Volksmund gern behauptet. Soziale Integration ist nun gefragt.

 

Dazu muss man erst ergründen, ob man selbst über oder unter dem vor Ort anzutreffenden Niveau liegt. Ist das Niveau der meisten neuen Nachbarn deutlich unter dem eigenen Niveau, hat man die gleiche ungünstige Wahl getroffen, als wenn es umgekehrt ist. Die soziale Integration von unten kommend fällt schwer. Das wird man Zug um Zug feststellen. Die soziale Abwärtsintegration dagegen ist eine wahre Zumutung. Die radikale Lösung sind klare Spielregeln, an die sich alle halten müssen, obwohl sie normalen Menschen selbstverständlich erscheinen.

 

Einer der Gründe, warum Eigentumsobjekte so stark sozial durchmischt sind, ist die Emanzipation vom Mieter zum Eigentümer ohne die entsprechende Reife, die Eigentümer besitzen müssen, um Eigentum und Verantwortung gerecht zu werden. Es ist eine völlig falsche Annahme, dass man sich als Eigentümer anders als ein Mieter verhalten dürfe. Spätestens beim harmonischen Zusammenleben und der gegenseitigen Rücksichtnahme wird klar, wer welche Defizite besitzt.

 

Wer sich nicht wohl fühlt und sich nicht integrieren kann, dem bleibt nur ein erneuter Wechsel - am Besten ohne Nachbarn. Menschen mit einem Lebensstil, der Interessen Anderer nicht zulässt, wohnen meist in den neu gebauten identitätslosen Siedlungen im Schuhkastenstil ohne jede Nachbarschaftsbindung. Soziale Isolation als Lebensstil - wer's mag!?

 

Nach einiger Zeit wird klar, wie ruhig die neue Wohnlage wirklich ist. Wenn man sich damit vertraut gemacht hat, wie stark Geräusche des Verkehrs, des Leerens von Mülltonnen und Flaschencontainern, der Bahnline und der nahen Autobahn, des Nachbarn, der um 5 Uhr morgens mit seinem knatterden Motorroller auf die Arbeit fährt, der überall und allgegenwärtigen Laubsauger und die Glocken des nahen Kirchturms sind, er kann  seine Umzugsentscheidung besser einordnen.

 

Allen Neubürgern und lokal Umgezogenen kann man nur einen guten Start in einen neuen Lebensabschnitt wünschen, sowie, dass sich all ihre Erwartungen erfüllen. Das Gleiche gilt aber auch für Bürger, die im neuen Jahr neue Nachbarn bekommen.